Die globale Krise und die Situation im Kaukasus

Глобальный кризис и ситуация на Кавказе

Der August 2015 hat sich als Monat reich an negativen Nachrichten erwiesen. Am Anfang des Monats ist die chinesische Börse gecrasht – die Fondsmärkte Chinas haben 30 % ihres Wertes einseitig verloren.

Rostislaw Ischtschenko 24.08.2015                             Übersetzt aus dem russischen: Thomas   

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Am 21. August ist der Crash auch schon auf den amerikanischen Börsen (der Index Dow Jones hat 3,13 % des Wertes, S&P-500 – 3,19 % verloren, NASDAQ-100 – 4,28 %) sichtbar geworden, die allgemeinen Verluste haben die halbe Billion Dollar für einen Tag übertreten. Dann kam die Nachricht von der Abwertung des Yuans, was für Besorgnis in den USA sorgte und die Experten zwang, über den möglichen Beginn eines Devisenkrieges zu reden. Es wurde der Konflikt im Nahen Osten intensiviert. Wieder ist die Rede von möglichen Luftschlägen der USA auf das Territorium Syriens. Die Türkei hat den Konflikt mit den Kurden erneuert. ISIL hat angefangen, chemische Waffen gegen die syrischen Regierungskräfte und die kurdische Landwehr im Irak zu verwenden. Die Situation in der Ukraine ist am Rande der Erneuerung des aktiven Kampfes hängengeblieben.

Unter Berücksichtigung dessen, dass die USA ihre Position in Bezug auf Russland nicht geändert haben, kann man erwarten, dass der Kurs auf die harte politische Konfrontation mit Moskau von Washington fortgesetzt werden wird. Und den Ausweg aus der Systemkrise werden die USA auch weiter auf dem Weg der Erhaltung der globalen Hegemonie und des Umlegens der Kosten auf die potentiellen Konkurrenten (vor allem auf die EU, Russland, China) suchen.

Die Tatsache der harten von Washington eingeleiteten Konfrontation mit Russland zeugt davon, dass die USA Moskau als das Haupthindernis auf dem Weg der Lösung ihrer strategischen Probleme betrachten. Also kann man die Versuche der Bildung von neuen Spannungsherden in der Peripherie der russischen Grenzen als neue Möglichkeiten für das Binden und das weitere Dehnen der russischen Kräfte und der Ressourcen erwarten – um letzten Endes Moskau zu zwingen, sich zu überheben und den amerikanischen Bedingungen in der Welt zuzustimmen.

Der Kaukasus als die Stelle der nächsten militärischen Krise

In diesem Plan gewährt die kaukasische Region Washington eine Masse an Möglichkeiten. Das Entstehen einer künstlichen militärischen Krise hier wird Russland Probleme in puncto der Kontakte mit den iranischen und syrischen Verbündeten schaffen. Aber nicht das ist das Wichtigste. Russland wird in die Lösung der kaukasischen Krise in jedem Fall einbezogen sein und es wird zusätzliche Ressourcen fordern, während jetzt noch die Hauptbemühungen Moskaus auf die Lösung der ukrainischen Situation gerichtet sind.

Außerdem ist der Kaukasus eine Brücke, die die Krisen im Nahen Osten und in der Ukraine in einem großen Bogen verbindet, dabei die westlichen und südwestlichen Grenzen Russlands vollständig erfasst und auch sie von Europa abschneidet.

Und endlich, die Widersprüche zwischen den kaukasischen Staaten sind so tief und so schwer lösbar, dass sich für einen beliebigen Vermittler in dieser Situation erweisen wird, dass alle mit ihm unzufrieden sein werden. Also, der Kaukasus kann sich als der nächsten Punkt der Destabilisierungsbemühungen der USA erweisen. Das verwundbarste Glied unter den kaukasischen Staaten ist Armenien.

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— Blick auf die Stadt des Friedens, Jerewan

Es hatte auch früher schon die meisten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Jetzt, unter den Bedingungen der globalen Krise, verringern sich die Möglichkeiten der Verbündeten, der armenischen Wirtschaft die notwendige Unterstützung zu leisten. Das ermöglicht, die Arbeit an der Diskreditierung des Kurses der Jerewaner Behörden weiter in Richtung euroasiatische Integration zu führen.

Der erste Versuch wurde während der nicht stattfindenden „elektrischen Revolution“ im Juni dieses Jahres gemacht. Aber an der Ernsthaftigkeit der Absichten der Organisatoren muss man nicht zweifeln.

Wir bemerken, dass die Destabilisierung der Lage in Jerewan von der Verschärfung der Lage in Nagorny Karabach begleitet wurde. Das heißt, im Falle des erfolgreichen Wechsels der Macht in Jerewan, wäre für die Konsolidierung des Volkes der Krieg sofort organisiert. Die volle Analogie mit der Ukraine wurde allerdings eingeschränkt, dort wurde es (infolge des Ausbleibens eines Krieges mit Russland) ein Bürgerkrieg, und hier ist die armenischen Gesellschaft sehr homogen und entsprechend der Unmöglichkeit, den Bürgerkrieg auszulösen, wurde der innenpolitische Konflikt eingefroren und dafür eine schnelle Eskalation des Konfliktes in Nagorny Karabach vorangetrieben.

Der Krieg ist nicht nur für die Nation schädlich. Er gestattet den Behörden auch, beliebige Misserfolge in der Wirtschaft zu rechtfertigen. Und wie die Praxis und die Erfahrung zeigen, folgt den proamerikanischen Umstürzen in aller Regel ein heftiger Wirtschaftsabsturz.

Und endlich, unter den konkreten Bedingungen des Kaukasus stellt die Erneuerung des Kampfes in Nagorny Karabach bei der Gefahr des augenblicklichen Hinüberwachsens in den totalen armenisch-aserbaidshanischen Krieg Russland in eine äußerst unvorteilhafte Lage, weil jede seiner Entscheidungen sofort sowohl bei Jerewan, als auch bei Baku Stimmung dagegen erzeugen würde.

In so einer Situation kann Moskau keine Seite des Konfliktes unterstützen. Die Vorschläge der Vermittlung würden nicht übernommen werden, da sich beide Seiten in so einer Situation im Recht sehen (und ausgesetzt einer nicht provozierten Aggression, was das Empfinden noch verstärkt) und nach dem eindeutigen Sieg und der Strafe für den „Aggressors“ streben. Der aufgedrängte Kompromiss wird beide Seiten unzufrieden lassen, obwohl die Situation in Nagorny Karabach im Prinzip so unbestimmt (vom internationalen-rechtlichen Standpunkt) ist und hier noch auf die glimmenden Kohlen das Benzin des Krieges schwappt.

Im Allgemeinen ist die Situation die, dass man in den nächsten Monaten die Förderversuche der USA von innenpolitischen Provokationen in Armenien (verstärkt von den militärischen Provokationen in Nagorny Karabach) erwarten kann.

Im Prinzip sind auch Versuche möglich, Aserbaidschan zu destabilisieren, aber die Regierung Ilham Alijew hat nicht nur die Bereitschaft hart demonstriert, beliebige Ansprüche zu unterdrücken, in Baku einen lokalen Maidan zu veranstalten, sondern hat auch wesentlich größere finanz-ökonomische Reserven. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit der Konzentration der amerikanischen Bemühungen auf Jerewan höher.

Invictus maneo!

Rostislaw Ischtschenko, Kommentator von «Russland heute»

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