Wer besitzt einen kupfernen Schild? Oder Fragen der Diplomatie.

Кто носит медный щит? Или вопросы дипломатии.

Rostislaw Ischtschenko 17.08.2015                          Übersetzt aus dem russischen:; Thomas

«Jener trägt den kupfernen Schild, jener hat die kupferne Stirn. An der Stelle des Falken sitzt der Uhu. Bei den Dschinns, Sie suchen dort, wo nichts verborgen ist, küssen Sie dafür unter den Schwanz meines Esels!» so hat der große Hodscha Nasreddin den leichtgläubigen Geldverleiher belehrt, der sich anstelle seiner in den Sack zum Ertrinken setzte, um die damaligen Militaristen zu necken. Auch hat er als Lohn von ihm dafür 300 Tanga (mittelasiatische Silbermünze. D.Ü.) genommen.

mulla

Im gewöhnlichen Leben heißt solches Verhalten eigentlich Gaunerei. Manchmal kann das die Gesellschaft sogar verzeihen und weiter zu der Gaunerei ermuntern. Der immer dem Volk nahe Hodscha Nasreddin gegen den abscheulichen Wucherer, das war insgesamt «unsere, gegen nicht unsere». Deshalb bemühen sich die Gauner immer, sich nah am Volk zu halten („unserer“), damit selbst noch nach Aufdeckung der nicht passenden Taten, die Gesellschaft sagte: «Ja, sie logen, stahlen und töteten aber zu einem vortrefflichen Zweck, für uns». So rechtfertigte, zum Beispiel, die Menge das Verhalten von Julia Timoschenko, als es völlig unmöglich war, ihre Ehrlichkeit zu beweisen. Ebenso wird die Menge die heutigen „sozial nahen“ „Helden“ rechtfertigen, selbst wenn es deutlich zu sehen ist, dass sie aus Ehrgeiz und Habgier sie (die Menge) bis in den Selbstmord trieben. Was du den Brüdern von der Vernunft her niemals verzeihen würdest.

Aber uns geht es heute nicht um die Massen und auch nicht um die Ehrgeizigen. Und auch nicht um ihre Ziele. Wir beschäftigen uns heute mit den Methoden. Es gibt zwei Hauptmethoden zur Erfüllung der Ziele in der Politik – den Krieg und die Diplomatie. Alles das, was nicht der Krieg ist – das ist die Diplomatie. Und dabei ist die Diplomatie – auch der Krieg. Oft sind die Folgen des diplomatischen Sieges viel zerstörerischer als die Folgen des militärischen Sieges. Zum Beispiel, Japan wurde von den USA im Krieg besiegt und ist dann sogar noch einer nuklearen Bombardierung untergezogen worden. Und die UdSSR hat die Niederlage gegen dieselbe USA ausschließlich am Verhandlungstisch erlitten. Die Zählung der territorialen, demographischen, politischen, wirtschaftlichen und übrigen Verluste endete nicht zugunsten der UdSSR.

Im Krieg ist der Mord legalisiert. Wenn Sie im friedlichen Leben einen Menschen getötet haben, werden Sie für lange Zeit eingesperrt, es ist sogar lebenslänglich möglich. Wenn Sie im Krieg hundert Menschen getötet haben, werden Sie ein Held der Sowjetunion.

In der Diplomatie ist der Betrug legalisiert. Wobei Sie in der höchsten Form, wenn Sie nichts sagen außer der Wahrheit (man konnte noch bis zum XVII. Jahrhundert unbändig lügen, jetzt ist alles nachprüfbar), dann können Sie aber den Opponenten dennoch täuschen. Die Sache des Diplomaten ist es, die Ziele des Krieges ohne Führung von Kriegsoperationen zu erreichen. Deshalb ist sogar wenn die Diplomaten von einer beiderseitig vorteilhaften Zusammenarbeit in Zusammenhang mit einem Kompromiss reden, der Kompromiss in jemandes Nutzen.

Zum Beispiel, das moderne Russland bietet die USA an, zur rechtmäßigen Weltordnung zurückzukehren, in der alle gleich sind, ein und dieselben Normen für alle gelten und alles ohne die berüchtigten «doppelten Standards» abläuft. Der Vorschlag ist beiderseitig vorteilhaft und er ist durch und durch edel. Wenn man ihn von der Realität abstrahiert. In der Wirklichkeit, existierte die Gleichheit für alle in der Welt noch niemals. Schaut man, wer nach 1945 gleich war, dann waren es nur die UdSSR und die USA, die übrigen konnten sich nur ihren Overlord wählen. Selbst wenn zu vermuten ist, dass es in der schönen neuen Welt mehr als zwei Kraftzentren geben wird, das ist übrigens im Interesse Russlands, da sie einander gegenseitig auswiegen werden, und das es keiner zusätzlichen Anstrengungen mehr bedarf, wie es zu UdSSR – Zeiten war), so wird aber nur die Zahl der Overlords zunehmen, das Prinzip der Ungleichheit wird sich dadurch nicht ändern. Das ist auch nicht verwunderlich – in einem Land mit einer Wirtschaft in der Größe der Hälfte (eines Drittels, eines Viertels) der Weltwirtschaft und mit einer Bevölkerung von Hunderten Millionen oder einer Milliarde kann der Mensch nicht von Entscheidungen der Regierung irgendeiner Insel im Ozean leben und vom Tourismus und füttern von ein Paar Tausend Bedienungspersonal abhängen.

Außerdem bietet Russland den USA wie dem auch sei an, weil sie lange Zeit (zwanzig- fünfundzwanzig Jahre) ein einziger weltweiter Hegemon waren, die Macht mit anderen Bewerbern um die Führung zu teilen. Die Verluste der USA sind offensichtlich und die Übernahme (der Stabilität, die Möglichkeit zu einer weniger kränklichen Wirtschaft von anderem Typ überzugehen) ist abstrakt und nicht unbedingt erreichbar. Seit Ewigkeit wissen alle, dass, wenn man auf das Recht verzichtet, die Situation individuell zu kontrollieren, man früher oder später erkennen wird, dass von dir selbst nichts abhängt. Die USA haben das mit der UdSSR gemacht, wünschen selbst aber nicht, sich an ihrer Stelle zu befinden.

Eigentlich ist gerade deswegen der weltweite Konflikt entbrannt, dessen Teilnehmer wir gerade sind. Wahrscheinlich sind es nicht nur die politischen Ursachen, es sind wohl noch viel mehr ursächlich die ökonomischen Gründe, über die ich schon mehrfach schrieb, einige Autoren-Ökonomen haben sie noch wesentlich tiefer und ausführlicher beschrieben als ich. Aber wenn man sich auf das äußerliche, offensichtliche und mit niemandem besprochene Niveau begibt, dann sah es wie die militär-politische Opposition der USA aus, die sich bemühte, das Dominieren in der Welt zu bewahren und Russland auszubremsen (sowie auch China und andere Länder, deren Interessen zufällig mit den russischen situativ übereinstimmen), die für die multipolare den neuen Bedingungen mehr entsprechende Welt eintreten.

In der Kernwaffenfreien Epoche wäre eine solche Opposition schon längst in einen militärischen Konflikt übergegangen, in dem zwangsläufig der nordatlantische Block (die USA, Kanada, die EU, Australien, Japan), und der zwangsläufig sich bildende euroasiatische Block (Russland, China, Indien, Iran, ein Teil das Lager Lateinamerikas und einige afrikanische Länder) einander gegenüber stehen würden. Dabei würden die Diplomaten versuchen Verbündete auf der anderen Seite, einschließlich auf Kosten von schwachen Gliedern im fremden Block aktiv zu bearbeiten, wie es zum Beispiel im Ersten Weltkrieg mit dem Mitglied des Dreibundes (Als Dreibund wird ein geheimes Defensivbündnis zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien bezeichnet. Es entstand am 20.Mai 1882 durch den Beitritt Italiens zum Zweibund, der im Oktober 1879 geschlossen worden war und als separates Vertragswerk weiter bestand. Italien erhoffte sich vom Dreibund einen Rückhalt für seine kolonialen Bestrebungen in Afrika. Am 30. Oktober 1883 trat Rumänien dem Dreibund bei, der bis 1912 alle fünf Jahre erneuert wurde. Das Bündnis verlor um die Jahrhundertwende an Bedeutung und zerbrach im Mai 1915 endgültig, als Italien den Vertrag kündigte.d.Ü.) Italien geschah, das daraufhin auf der Seite der Entente aufgetreten ist.

In der nuklearen Epoche würde der direkte Zusammenstoß zwischen den Supermächten die gegenseitige Vernichtung zur Folge haben und ist deshalb unerwünscht. Gerade nicht wünschenswert, wenn auch nicht unmöglich (wie einige denken), dazumal die Entwicklung der politischen und militärischen Situation einer eigenen Logik unterliegt und über die Kontrolle hinausgehen kann. Besonders, wenn „die Kontrolleure“ – unangemessen sind und/oder wirklich meinen, dass man den nuklearen Knüppel wie wild schwingen kann oder auch die Truppen schicken kann, wohin und wann man auch immer denken mag und nichts würde dabei geschehen.

Das Dargelegte bringt uns zu einer einfachen Schlussfolgerung – unter diesen Umständen konnte der globale Konflikt nur den Mehrebenencharakter tragen. Auf dem höchsten Niveau hat er die Art des informativen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenstoßes zwischen Russland mit den Verbündeten und den USA mit den Verbündeten übernommen. Hier spielen die Diplomaten die Hauptrolle. Auf dem niedrigsten Niveau – findet der kontrollierte Zusammenstoß verschiedener bewaffneter Zentren (die Kundenstaaten, die Aufständischen, die gemieteten Banden, die religiösen Radikalen, „die Freiwilligen“ verschiedener Sorten und Schattierungen) statt. Dabei dienen die kleinen realen Kriege auf niedrigstem Niveau in Wirklichkeit nur zur Versorgung der Operationen des höchsten Niveaus.

Die Kriege des niedrigsten Niveaus haben keinen militär-strategischen Sinn. Sogar wenn es scheint, als seien sie bestellt worden, um die Kontrolle über irgendwelchen strategisch wichtigem Punkt zu übernehmen, es soll letzten Endes nicht mehr, als die Sicht feststellen. Der Westen hätte wesentlich besser das libysche Erdöl kontrollieren können ohne Gaddafi zu stürzen und im Irak ohne Sturz Husseins wäre es nicht anders. Die USA hätten in den Jahrzehnten keine Beschäftigung mit den saudiarabischen Fundamentalisten, hätten die unversöhnlichen ideologischen Widersprüche mit den iranischen Fundamentalisten nicht und die hypothetische nukleare Bombe Teherans bedrohte Washington auch nicht mehr, als die reale nukleare Bombe Pakistans. In Syrien machte Assad alle möglichen Zugeständnisse (er hat sogar prinzipiell auf den syrischen Einfluss im Libanon verzichtet). Sogar Janukowytsch bat nur um 15 Milliarden Dollar, um das Assoziierungsabkommen zu unterschreiben und die Ukraine dem Westen ganz, einheitlich und verwaltet zu schenken. Die Amerikaner wollten das antirussische Rammen aus der Ukraine wegschaffen – sie hätten das Geld Janukowytsch gegeben (der Aufwand wäre weniger und die Effektivität höher gewesen). Heute wird ein beliebiger Punkt in der Welt ein strategisch wichtiger Platz, wenn er für den Zusammenstoß der Supermächte ausgewählt wurde und hört sofort auf, wichtig zu sein, wenn sie „weggehen auf einen anderen Hof zum raufen».

Deshalb sind alle amerikanischen destabilisierenden Projekte nicht auf einen langwierigen Kontrollverlust in den kritischen Punkten gerichtet (wie es „die Fachkräfte“ für die Kolonialkriege des vorvorigen Jahrhunderts bis jetzt denken) sondern darauf, das informationspolitische Unbehagen bei dem Opponenten zu schaffen und ihn zur militärischen Einmischung unter unvorteilhaften Bedingungen zu zwingen. Die Opponenten haben den Amerikanern jedoch mit der Anwendung derselben Strategie geantwortet. Übrigens hat bei der ersten von den nicht symmetrischen Antworten auf die strategischen Bedrohungen seitens der USA China schon vor zwanzig Jahren begonnen herbeizulaufen. Bis dahin war Russland noch ein amerikanischer Satellit und ein großer himmlischer Mittelvolksstaat und ihm blieb gar nichts anderes übrig. Die direkte Konfrontation hätte die Niederlage bedeutet (nicht nur militärisch, auch politisch, diplomatisch und in erster Linie ökonomisch).

Die folgende vorliegende Strategie hat der Iran gegen die USA und die von ihnen kontrollierten sunnitischen Regimes des Golfes verwendet und mit ihr die schiitischen Gemeinden und das alevitische Syrien unterstützt.

Russland stand ganz offiziell auf dem Pfad des Krieges gegen die USA. Es war an der Zeit, die Erfolge und die Fehler beider Seiten des Konfliktes im letzten Jahrzehnt zu analysieren. Außerdem war Russland – das einzige Land, das die Möglichkeit hat, den USA einen unannehmbaren Schaden im direkten militärischen Zusammenstoß zuzufügen. Das hat Moskau ermöglicht, die wirksamste Strategie des Widerstandes gegen Washington auf oberstem (diplomatischem) Niveau auszuarbeiten.

Moskau hat in den letzten fünf Jahren bündelweise militär-politische und Wirtschaftsbündnisse geschlossen, es schlägt damit geradezu auf die Interessen der USA ein. Bis zum Jahr 2008 war es undenkbar, und Russland war der erste Staat nach 1991, das ungestraft seine militärische Kraft verwendete gegen das amerikanische Satelittenregime Saakaschwilis. Dabei sind die russischen Diplomaten in allem formell den amerikanischen Wünschen entgegengekommen. Es entstanden zahlreiche vielseitige Gesprächsformate (in deren Rahmen niemand mit niemandem im Begriff ist, sich zu vereinbaren), es bestehen die Abkommen über die Feuereinstellung (das niemand im Begriff ist, einzustellen), es wird die Besorgtheit (bei der Fixierung der diametral entgegengesetzten Ansichten) bei der Lösung des Problems geteilt.

Da man auf dem obersten Niveau nicht kämpfen darf, ist man gezwungen möglichst tief in eine größtmögliche Zahl von realen Konflikten einzusteigen und es ist die Aufgabe der Diplomatie, den Gegner wie auch immer hineinzuziehen, ihn zu zwingen, die Ressourcen so vor ihrem globalen Hauptgegner einfach auszubreiten, dass dabei (die Ressourcen sind nicht aus Gummi) nichts übrig bleibt. Die russische Diplomatie kommt mit dieser Aufgabe aber ausgezeichnet zurecht. Die USA sind in Libyen stecken geblieben, die USA sind in Syrien stecken geblieben, die USA sind in der Ukraine stecken geblieben, die USA sind im Irak stecken geblieben, die USA sind in Afghanistan stecken geblieben. Mit Amerika sind die Hindus, die Iraner, die Pakistaner, die Chinesen, die Lateinamerikaner, viele Afrikaner und die Araber unzufrieden. Die Verbündeten Washingtons tragen die immer größeren Kosten, bei dem vollen Ausfall der versprochenen Dividenden. Je länger sich die Konfrontation erstreckt, desto offensichtlicher wird es sogar für die Eliten der EU sein, dass sie bald an der Reihe sein werden, sich in die Sümpfe des nicht erklärten Krieges zu begeben, um den Moment des Eintritts des Ressourcenmangels bei den USA hinauszuzögern.

Die zweite Variante – gleichzeitig alle Kundenregimes (von Libyen bis nach Afghanistan) zu stürzen. Aber dann werden die geopolitischen Opponenten Washingtons (Russland, China) dorthin kommen und die multipolare Welt, die bisher von den USA noch verneint wird, wird eine objektive und für alle offensichtliche Realität. Deshalb werden auf dem niedrigsten Niveau die militärischen Konflikte sogar andauern, damit die USA ihre Niederlagen auf diesen Plätzen maskieren können und sogar noch intensiviert, um die europäischen Verbündeten davon zu überzeugen, immer aufs neue die Opfer für die Errungenschaft des entgleitenden Sieges zu bringen.

Die einzigen Waffen, von denen den USA ein Vorrat blieb, sind die informellen. Gerade versuchen sie mit ihrer Hilfe, das Ergebnis des strategisch verlorenen Krieges zu verändern und zwar in taktisch gerade auf dem Gefechtsfeld gewonnen. Der Satz wird auf den viel zu großen Bruch zwischen dem oberen und unteren Niveau der Opposition hinweisen. Ihre Wechselbeziehung ist für einen bedeutenden Teil der Bevölkerung der kämpfenden Staaten nicht zu erkennen. Also sind die diplomatischen Schlachten, die Siege und die Niederlagen, dem Verständnis des breiten Publikums im Prinzip unzugänglich, einmal infolge der Abwesenheit der entsprechenden Qualifikation (einschließlich bei den Journalisten) für ihre Einschätzung, als auch wegen der objektiven Geschlossenheit der entsprechenden Informationen. Erstens bleibt der Inhalt dieser Verhandlungen geheim und wer zweitens außerhalb des professionellen Kreises ist, versteht selten «die Vogelsprache» (das Kauderwelsch, d.Ü.) der offiziellen Briefings und der gemeinsamen Kommuniques.

Deshalb sieht der große Teil der Bevölkerung nur das niedrigste Niveau des Konfliktes. Dort, wo der offene Krieg der Satellitenregimes stattfindet. Hier donnern die Schlachten, es strömt das Blut, es kommen die Menschen um, es werden die Verträge nicht beachtet, es werden die Staaten zerstört. Politisch legen die aktiven Schichten der Bevölkerung die Fragen vor: «Bis wann?» Und „Worüber werden wir verhandeln?» Die USA, die den versumpften Weißband – Maidan in Russland verloren haben, sehen als letzte Möglichkeit der Schwächung der russischen Macht nur die Senkung des Vertrauens zu ihr in den patriotischen Schichten der Bevölkerung. Deshalb unterstützen sie solche Stimmungen direkt und indirekt.

Ein Teil der Patrioten trat schon immer gegen Putin auf (schon immer, wenn sie jetzt auch gezwungen sind, in seiner Richtigkeit gegen das fast 90 % Rating zu schwören). Sie gingen sogar mit der liberalen Opposition in sumpfiges Gelände hinaus. Und wenn sie dann schon mal da sind vergessen wir die Verkäufer und die linken und rechten Radikalen nicht. Sie haben Erfahrungen im herstellen von Kontakten mit Washington, sowohl direkte wie auch vermittelte (durch die liberale Opposition).

Ein Teil (besonders betrifft er wohl Informatiker) arbeitet einfach für Geld. Es ist es leicht, zu verfolgen, wer was angeschaut hat, auch welchen Geschlechtes die materiell „geisteswissenschaftlichen“ (in Wirklichkeit politischen) Projekte der Unterstützung des Donbass oder wer, zum Beispiel, selbst das KRU (Komitee zur Rettung der Ukraine) übereifrig unterstützt hat. Der Mensch kann sich einmal irren. Wenn er sich allerdings jedes Mal zur Seite der finanziell vorteilhaften Projekte irrt, und dabei ständig rumschreit von seiner Uneigennützigkeit, dann entstehen begründete Zweifel an seiner Ehrlichkeit und\oder an seiner Angemessenheit.

Der große Teil versteht einfach nicht was geschieht. Kann es nicht verstehen, wie oft ich es auch erkläre, weil man sich für das Verständnis des Prinzips der Handlung im Mechanismus seiner Einrichtung zurechtfinden muss. Der große Teil der Bevölkerung eines beliebigen Landes hat keine Vorstellung von den Zielen, den Aufgaben, den Prinzipien und den Methoden der Arbeit nicht nur der modernen Diplomatie oder der höchsten Stufen des staatlichen Apparates, sondern nicht Mal von der Entwicklung von Verwaltungslösungen auf der Höhe der Gemeinde.

Deshalb besteht der letzte Versuch der USA, den verlorenen Krieg in einen Nutzen umzuwandeln darin, in den Augen der Bevölkerung Russlands den diplomatischen Prozess zu diskreditieren, der den Sieg auf dem obersten Niveau der Opposition gewährleistet hat und Moskau dazu zu zwingen, den Schwerpunkt des Kampfes auf das für Washington vorteilhafteste niedrigste (das militärische) Niveau selbst in der Ukraine zu verlegen. Warum in der Ukraine und nicht in Syrien oder Libyen habe ich mehrfach geschrieben. Aus der russischen Bevölkerung kann man die Tränen der Anteilnahme für die umkommenden Kinder in Donezk und in Tripolis, Lugansk und Damaskus, Gorlowka und Bagdad identisch erfolgreich ausdrücken. Aber nur die Schuld für den Niedergang der Kinder im Donbass kann man Putin anhängen. Wenn man einen hysterischen Anfall hat und dann vor dem angeregten Hörsaal und mit Schaum vor dem Mund fordert, die Truppen in die Ukraine zu schicken, dann kann man ebenso versuchen und wird erfolgreich fordern, die Armee nach Libyen oder Syrien zu schicken. Inzwischen schlagen sich die Völker dieser Länder für die russischen Interessen länger als man im Donbass kämpfte, wird Infrastruktur zerstört, werden friedliche Bürger umgekommen und sind länger dort, einschließlich der Frauen und der Kinder, wo die Gefahr für die am Leben Gebliebenen wesentlich höher ist. Das die Ereignisse in diesen Ländern von den USA provoziert sind und gegen Russland gerichtet sind ist auch offenbar. Im Unterschied zur Ukraine ist Syrien sogar formell ein Verbündeter Russlands.

Insgesamt muss man eine einfache Sache verstehen. Die Kriege auf dem niedrigsten Niveau werden dauern und möglicherweise noch wuchern, die Gefahr ist schon nicht mehr nur für die Bürger der ganz speziellen Länder vorstellbar, sondern ist auch für die ganze Menschheit existent, eben solange, bis der Sieg auf dem höchsten Niveau ausgefochten sein wird. Die Kapitulation Kiews, ISIL oder Al-Qaidas wird die USA nicht zur Kapitulation bringen und nur durch die Kapitulation der USA werden alle laufenden Kriege und die mit ihnen verbundenen Hässlichkeiten augenblicklich eingestellt.

Die Politik war schon immer eine komplizierte Sache. Daran erinnern sich die glänzenden Politiker und Diplomaten in der menschlichen Geschichte von A bis Z, sie alle (von den ersten Staaten Sumer und Akkad bis zu unseren Tagen). Die moderne Politik ist zweimal so kompliziert, da sie im Regime der realen Zeit (die Kuriere springen nicht mehr ein Jahr hinter den Instruktionen her) stattfindet, die Menge der Teilnehmer (vor hundert Jahre interessierte sich niemand für die Ereignisse, die auf dem benachbarten Kontinent geschehen und heute ist eine jede beliebige Bananenrepublik in den politischen Prozess eingebaut) sowie der Fernseher und das Internet rekrutieren die Teilnehmer des politischen Prozesses in immer breiteren Schichten, die alle immer weniger vorbereitet sind.

Das ist ein immer perverseres Muster. Wenn im XVIII. Jahrhundert Friedrich der Große (Diplomat und Heerführer) die Bevölkerung Preußens in der Agrikultur unterrichtete, wurde das als völlig normal wahrgenommen. Wenn heute angenommenerweise Lawrow und Schojgu den Landwirt unterrichten würden, wie er die Lebensmittelsicherheit Russlands gewährleisten soll, sie würden sich kaputt lachen, wie gerechtfertigt und vorbereitet ihre Ratschläge auch sein könnten. In den zweihundertfünfzig Jahren hat die Spezialisierung zu sehr zugenommen. Aber niemand ist verwirrt, wenn der Landwirt, der Rentner, der Arzt, der Lehrer, der Fahrer aus irgendeinem Grunde, der Professor der Philologie unterrichtet die Minister und den Präsidenten usw., den Staat, die Diplomaten, die Abkommen zu schließen, und die Militärs zu verwalten, die benachbarten Staaten und die Territorien zu besetzen. Das ist nicht logisch.

Im Prinzip kann Jeder, der Emotionen weglassen und sich in das nächste einfache Schema einlesen kann, die Handlungen Russlands verstehen:

1. Der Staat schützt seine Bürger.

2. Der Staat schützt ihre Interessen.

3. Die Interessen der benachbarten Staaten und des Lebens ihrer Bürger in Russland sind nicht Schall und Rauch (besonders nicht in jenen Fällen, wenn es sich um die ehemaligen Territorien der UdSSR und ihre Bevölkerung handelt). Aber die Probleme, die in den Punkte 1 und 2 angegeben sind haben Vorrang.

4. Falls man die russische Führung vor die Wahl stellt – die Interessen Russlands und der russischen Bürger für den Schutz der Interessen der Bürger und der Ganzheit anderer Staaten zu opfern, oder andere Staaten und ihre Bürger für den Schutz der Interessen Russlands zu opfern, dann ist die Führung der Russischen Föderation verpflichtet, zugunsten Russlands zu wählen.

5. Russland unterstützt seine Verbündeten (anerkannte und nicht anerkannte) in jenem Maß und jener Weise, die den Interessen nicht schaden.

6. Der allgemeine Sieg der Verbündeten ist nur im Falle des Sieges Russlands möglich.

7. Noch kein russisches Klientenregime (anerkannt und nicht anerkannt) wurde den USA zum Fraß vorgeworfen. Gleichzeitig wurden die USA vom Schutz Georgiens entfernt und sind jetzt dabei, die Ukraine abzugeben.

8. Der Krieg und die Politik – das ist keine schöngeistige Literatur. Hier operieren wir nicht mit Emotionen und Schicksalen und nicht mit annehmbarem und unannehmbarem Niveau der Verluste. Letzten Endes bezeugt die Geschichte, dass der siegt, der bis zum Sieg lebt, und nicht der, der aktiver brennt und getötet wird.

Im Allgemeinen, in 1942 starben die Soldaten neben Rschew und in der Blockade von Leningrad, damit die Rote Armee die Reserven sammeln konnte und den Raum für das Manöver im Süden, neben Stalingrad bekam, wo dann die Kampagne gewonnen wurde. Jetzt kommen im Donbass (sowie in Syrien, Libyen, dem Irak und andere die Defätisten-Panikmacher nicht interessierenden Punkte des Planeten) die Landwehrmänner, die Freiwilligen und die Zivilisten um, damit Russland die notwendigen Reserven schaffen konnte und den Raum für das Manöver auf dem höchsten Niveau der Opposition bekommen hat, wo sich das Schicksal nicht von Awdejewka aber der ganzen Welt entscheidet.

Nur die Konzentration des Maximums der Ressourcen im kritischen Punkt gibt die Chance auf den Sieg im Krieg, selbst wenn dieser Krieg mit nicht traditionellen Mitteln geführt wird. Es ist doch «der, der den kupfernen Schild … trägt»

Invictus maneo!

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