In der befreiten Ukraine wird es schlechter sein, als auf der Krim

В освобождённой Украине будет хуже, чем в Крыму

Rostislaw Ischtschenko 30.07.2015  Übersetzt aus dem russischen: Thomas

Was wird uns in überschaubarer Zukunft erwarten? Welches Schicksal wird der postukrainische Raum haben und welche Perspektiven zeigen sich für die Volksrepubliken und die angrenzenden Territorien?

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Politnavigator:  

Wenn Sie den Verzicht auf eine harte und schnelle Lösung in der Ukraine rechtfertigen dann sagen Sie, dass „Putin die ganze Ukraine“ …haben will. Und warum will er denn „beide Ukraine», oder «alle drei Ukraine“ nicht haben? Es ist doch Tatsache, dass die Krim in der Vergangenheit Ukraine war. Und jetzt ist sie Russland. Der Donbass ist was auch immer, Ukraine ist er sicher schon nicht mehr. So das es sich ergibt, dass ein „einheitliches Gebiet» Putin nicht zufallen wird. Nur ein Blumenstrauß, die Halsketten, die Rosenkränze …. Festlicher Unsinn … ohne Hände. Wäre es nicht einfacher gewesen, dass sofort vor einem Jahr durchzuziehen? Oder ist der Wirtschaftsdruck in der Perspektive wirksamer?

Rostislaw Ischtschenko:

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Erstens ist Ihre Frage unlogisch.

Alles in einzelnen Teilen aufzusammeln, sogar wenn die Kontrolle über verschiedenen Teile unterschiedlich erfolgt und danach wieder eingesammelt werden muß, das bedeutet dann aber immer noch, alles zu bekommen. Ein ukrainischer Nazistaat an den russischen Grenzen, das geht gar nicht. Alles Übrige – sind nur Varianten einer Lösung des Problems.

Zweitens wenn Sie wissen, dass ich rede und schreibe, dann sollte Ihnen dabei aufgefallen sein, dass ich nicht so besonders oft über die «ganze Ukraine» rede, das ist eine taktische Frage und in der globalen Opposition Russlands und der USA, in der das Spiel auf vielen Plätzen abläuft, von denen die Ukraine nicht der wichtigste ist (sie ist für die russische Gesellschaft nur einfach am besten zu bemerken). In diesem Spiel darf man nicht aufs Geradewohl handeln und darauf hoffen, dass man Glück hat.

Russland wollte man viel zu offensichtlich in das ukrainische Abenteuer hineinziehen, als das man es für Zufall halten konnte. Die Liste mit den Notierungen von russischen «momentanen Schlägen» ist mehrere Seiten lang. Positiv ist an der ganzen Geschichte nur, dass irgendwelche Feldkommandeure aus der Zahl der lebenslang kämpfenden „Freiwilligen“ Hoffnungen haben durften, einen Orden zu bekommen.

Drittens es geht nicht um den Wirtschaftsdruck, sondern darum, dass die USA gezwungen sind, welchen zu machen, um Russland zu provozieren, und selbst die Last des Inhalts des kleptokratischen Naziregimes zu übernehmen. Ein einfaches Beispiel – die USA sind nach Vietnam gegangen und haben verloren, die UdSSR ist nach Afghanistan gekommen und hat verloren. Den geopolitischen Opponenten zu zwingen, den ersten Schritt in einer gefährlichen Geschichte zu machen und dabei die Risiken und die Kosten zu übernehmen – darum geht es.

Noch kürzer, vergessen Sie die Ukraine, schauen Sie zu den Seiten, interessieren Sie sich dafür, womit sich die russische Diplomatie in Asien, Afrika, Lateinamerika beschäftigt. Und überhaupt, erinnern Sie sich, dass wir auf einem sehr engen Planeten leben und, möglicherweise, wird Ihnen vieles von den Handlungen der russischen Führung klarer sein.

«Politnavigator»: Ist die Verlängerung der Fristen der Ausführung der Minsker Abkommen real? Für wen ist das vorteilhafter?

Rostislaw Ischtschenko: Das wird tatsächlich kommen, und zwar weil die Ukraine sie nicht erfüllen wird. Die EU sagt, dass Kiew es nicht geschafft hat. Gut, sie hat es nicht geschafft, dann hat sie es halt nicht geschafft – wir verlängern Minsk und wir warten, wann es den Krieg beginnen wird.

«Politnavigator»: Hat es denn Sinn, über die Vergrößerung der Zahl der Regionen mit einem besonderen Status zu sprechen, oder ist das ohne Krieg unmöglich?

Rostislaw Ischtschenko: Ich habe schon gesagt, dass es sich um die Liquidation der Naziukraine handelt, wie sie später aussehen wird, wie viele Regionen es geben wird, mit welchem Status und in welchem Bestand dieser Staat existieren wird, das muss man nach den Ergebnissen der Opposition mit Amerika entscheiden und die geht noch wesentlich länger als die Liquidation des Kiewer Regimes.

«Politnavigator»: Wenn man sich mal vorstellt, dass Kiew alle Auflagen von Minsk erfüllt hat, selbst nicht zerstört worden ist … und nicht verhungert ist. Aber man muss die Grenze … abgeben. Was tun?

Rostislaw Ischtschenko: Wenn man sich mal vorstellt, dass morgen Obama Putin anruft und sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigt und dann Poroschenko und seine Nazigesellschaft in die USA zurückberuft, was tun? Man muss sich das nicht vorstellen, weil es niemals sein kann. Kiew wird durch nichts Minsk erfüllen und wird sich nicht selbst zerstören, obwohl ihm anderthalb Jahre schon verstärkt geholfen haben, zerstört zu werden.

«Politnavigator»: Der Konflikt zieht sich hin, eine militärische Lösung ist in der gegebenen Etappe nicht anwendbar. Wie kann man Pridnestrowje retten, wenn es in der Blockade stecken bleibt? Die Frage ist nicht nach der Rotation und der Versorgung der Militärangehörigen. Die Ukraine war ein traditioneller Absatzmarkt für die PVR, die Absatzmärkte waren Moldawien und die Europäische Union. Jetzt haben wir die Blockade. Jetzt hat Moldawien die Assoziation unterschrieben, dass Tiraspol aus den europäischen Märkten automatisch hinauswirft. Und die Ukraine, im Falle des Durchbruchs der Blockade, ist als Markt zahlungsunfähig.

Rostislaw Ischtschenko: Moldawien hat schon erklärt, dass es an der Blockade Pridnestrowjes nicht teilnimmt, es ist bereit, die Rotation der Militärs und die normalen Wirtschaftsbeziehungen zu gewährleisten. Das ist gerade dann geschehen, als Russland auf höchstem Niveau ganz unauffällig angedeutet hat, dass im Falle einer Gefahr für Pridnestrowje der Krieg anfangen wird und an welcher Grenze die Truppen stehenbleiben werden weiß niemand (sie könnten auch am Atlantik ankommen). Seit dieser Zeit kann man nichts mehr über eine Blockade Pridnestrowjes hören. So dass es bis jetzt nicht nötig ist, es zu retten.

«Politnavigator»: Ob es möglich wird, die PVR früher als Odessa zu retten?

Rostislaw Ischtschenko: Nein. Aber es ist möglich, bis es soweit ist, die Situation nicht zuzulassen, in der man die PVR retten muss.

«Politnavigator»: Es gibt die traurige Erfahrung mit Estland. Droht uns das mit Odessa auch? Die Unterbrechung des Transits durch die Region. Die Unterbrechung der Unternehmungen, der letzten, die noch geblieben sind. Die mögliche Unterbrechung der Arbeit von Odessa Port Plant, die Überdeckung des Kranes mit Ammoniak. Das Absterben «des Siebenten Kilometers» (der größte Einzel- und Großmarkt Europas. d.Ü.). Oder alles wird noch schneller geschehen weil die Odessiten vergessen, dass sie „Teil der zivilisierten Menschheit» sind?

Rostislaw Ischtschenko: Es droht uns. Wenn ich auch überzeugt bin, dass alles verhältnismäßig schnell passieren wird, aber, wie es mir scheint, der Ruin der Ukraine hat ein viel zu hohes Niveau und die Nazis werden auch nicht einfach so weggehen und noch viele Leute erschlagen und viele Dinge kaputt machen. So dass der Transit, selbst wenn er noch eine zeitlang nicht vollständig aufhören wird, selbst wenn es nur für ein-zwei Jahre ist, sich in ein feines Bächlein verwandeln wird.

«Politnavigator»: Zu den äußerlichen Faktoren. Die USA. Ob die Situation real ist, dass in Odessa ein Militärstützpunkt der USA eingerichtet werden wird und damit die Rückführung der Region in den euroasiatischen Wirtschaftsraum unmöglich ohne Krieg geschehen kann?

Rostislaw Ischtschenko: Das ist nicht real. Die USA können die Soldaten und die Waffen senden, aber sie werden keine langfristige Stationierung vornehmen. Schon jetzt ist es klar, dass sie aus der Ukraine schnell weggehen werden und weggehen müssen. Die Frage ist nur noch wann konkret das sein wird. Unter diesen Bedingungen, das Geld für die Bildung einer stationären Basis in der Stadt und dem Land auszugeben, die nichts entscheiden aber dafür einen Haufen der sowieso knappen Ressourcen einfach nur sinnlos wegfressen, das ist einfach nur gefährlich und völlig sinnlos. Washington – wie übrigens Moskau auch nicht – will wegen so eines Unsinns nicht in einen nuklearen Krieg rutschen. Und die ukrainischen Talente könnten den Unsinn zu jeder Zeit provozieren. Mit den besten Motiven ganz sicher.

«Politnavigator»: Wann wird das alles enden? Werden wir es noch gemeinsam erleben? Oder werden wenigstens unsere Kinder auf unsere Erde zurückkehren? Und sie als ihre bezeichnen? In Wirklichkeit die einzige Frage, die alle interessiert. Wann?

Rostislaw Ischtschenko: Wir werden es mit Sicherheit zusammen erleben. Bald. Aber wie ich schon im vorigen Jahr schrieb, den militärischen Sieg in der Ukraine, im Sinn des Sturzes der Junta und der Beendigung der Unterdrückung durch die Nazis kann man schnell erwarten. Aber das normale Leben wieder herzustellen, darauf muß man dann noch lange warten. Die Wirtschaft muss man von Grund auf neu schaffen. Zehntausende Einheiten von Waffen in den Händen, wobei die Hälfte von ihnen überhaupt in gar keiner Weise irgendwo nachgewiesen ist und die zweite Hälfte auch nur irgendwie. Die Gesellschaft ist gespalten und es gibt darin genügend Menschen mit „Beschützersyndrom», die alle Probleme mit Hilfe der Maschinenpistole entscheiden. Im Allgemeinen wird es nicht leicht werden.

«Politnavigator»: Nachdem wir wissen, dass „es nicht leicht sein wird», worauf also noch warten? Da ist Odessa, schaut auf die Krim. Vergleicht und rechnet nach. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Tendenz zur dauerhaften Entwicklung der Region, färben sich die Beamten der ehemaligen Ukraine um. Die Partei der Regionen trifft die Partei Einiges Russland. Gestern fanden Vereinigungsveranstaltungen statt, jetzt sind es Patrioten Russlands. Und sie schaffen dasselbe wie auch früher. Ob es womöglich irgendeine gesellschaftliche Erleuchtung gibt oder wenigstens auch filternde Maßnahmen? Oder formatiert die neue politische und wirtschaftliche Realität selbst solche …. Funktionäre?

Rostislaw Ischtschenko: Über die Situation auf der Krim fragte man mich schon im vorigen Jahr dort auf der Krim. Ich erklärte dann, dass niemand die Beamten von der Krim nach Kamtschatka bringen wird, erstens ist die Region ihnen nicht bekannt, und zweitens muss auf Kamtschatka auch jemand arbeiten. Niemand wird sofort die Massenentlassungen der Beamten “des alten Regimes” durchführen, da es die Situation destabilisieren würde. Aber ich sagte auch, wenn sie versuchen sollten, auf alte Weise zu arbeiten, dann würden sie sehr schnell erkennen, dass die Ukraine – nicht wirklich Russland ist. Der Versuch, die ukrainische Korruptionspraxis nach Russland zu verlegen ist hart abgeschafft worden.

Und so haben im Juli die Krimkriminalbeamten begonnen, Leute einzusperren. Wer das Signal verstanden hat, der hat spätestens dann begonnen, normal zu arbeiten und er bleibt. Wer das Signal nicht verstanden hat, wird den Platz hinter der Nähmaschine einnehmen, den Chodorkowski frei gemacht hat.

Übrigens streiten sich die ehemaligen Regionalen umsonst so um die Macht in der befreiten Ukraine. Auf dem Festland wird es schlechter sein als auf der Krim. Die Krim wurde sofort russisch. Hier gelten die Gesetze und die Prozedere, in den befreiten Regionen der Ukraine allerdings wird noch einige Zeit das Gesetz der MPis gelten. Es kann auch sein, dass die orthodoxen Regionalen für die Korruption von den Landwehrmännern den Todesstoß erhalten werden. Auf jeden Fall wird auf dem Festland die Ordnung härter – dort ist die Situation komplizierter zu richten.

Invictus maneo!

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