Unsere Differenzen

Наши разногласия

Rostislaw Ischtschenko 26.07.2015  übersetzt aus dem russischen: Thomas

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Ich war immer der Meinung, dass die politischen Kräfte, die einen gemeinsamen Feind haben, im Kampf gegen ihn zunächst vereinigt werden sollten, um dann nach dem Sieg, die Beziehungen untereinander zu klären. Dabei meine ich, dass der größte politische Berater aller Zeiten und aller Völker, Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) – nicht mit dem großen staatlichen Baumeister, Josip Wissarionowitsch Dschugaschwili (Stalin), zu verwechseln – absolut Recht hatte, als er sagte, dass wir – bevor wir vereinigt werden können – erst klar abgegrenzt werden müssen. Ich möchte die darauf aufmerksam machen, die die Nuancen des Russischen schlecht fühlen: Lenin besaß die Fähigkeit, nicht zu polarisieren sondern zu verbinden, das heißt, dass er uns aufzeigen konnte was uns vereinigt und was uns trennt, um für die Zeit des allgemeinen Kampfes, die Widersprüche auszuklammern.

Leider ist aber auch feststellbar, dass sich je nach Dauer des ukrainischen Konfliktes, die patriotischen Kräfte Russlands immer mehr zersplittern. Die Teilung hat erst die weltanschaulichen Barrieren überwunden, dann die Parteiwidersprüche und beginnt jetzt, auf das Niveau von ganz speziellen Sekten überzugehen. Wenn sich am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die russischen Sozialdemokraten von den Geheimzirkeln zur Parteilichkeit zielgerichtet entwickelten, so befinden sich heute die Patrioten ganz sicher auf der Reise in die diametral entgegen gesetzte Richtung.

Deshalb klammere ich heute die Strömung aus, die ich die „Garde – Patrioten“ nenne, die von einigen Dutzenden hysterischer Blogger vorgestellt wurden und einige, wenn auch nicht besonders zahlreiche (in den Maßstäben des Landes) Gruppen mit Bewunderern haben. An dem gut zugänglichen Beispiel will ich aufzeigen, warum Menschen, die die allgemeine Lage vollkommen adäquat, nüchtern bewerten und sich nichtsdestoweniger doch in verschiedene Richtungen bewegen, die einen bringt die Bewegung zur immer intensiveren und umfassenderen Kritik der geltenden russischen Macht und die anderen (für die Erhaltung des Gleichgewichts), zu ihrer immer bedingungsloseren Unterstützung.

So eine Teilung der patriotischen Bewegung, die sie in zwei unversöhnliche Pole zerreißt, ist schädlich, sie ist total verderblich und das nicht nur für die Patrioten, sondern auch für die Gesellschaft, die Führung, letzten Endes sogar für Russland. Immerhin stehen wir den USA – dem stärksten und gefährlichsten äußeren Feind in der ganzen Geschichte Russlands und in der ganzen Geschichte der Zivilisation — gegenüber. Die Unterstützergruppen dieses Feindes in Russland sind marginalisiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt, aber unter für sie günstigen Umständen kann sich ihr politischer Einfluss ziemlich schnell wieder herstellen. Unter diesen Bedingungen sind zusätzliche Teilungslinien im Lager der potentiellen Verbündeten verderblich.

Noch einmal möchte ich betonen, mit potentiellen Verbündeten meine ich nicht „die allwissenden“ Hysteriker (die im Unterschied zu dem radikalen Kiewer Ur-Nazi, Dmitrij Kortschinski, der Anfang der neunziger Jahre die Losung „Alles und sofort» herausbrachte), die sich wünschten, wie adäquate Menschen, sich systematisch mit den Informationen und dem informativen Raum zu beschäftigen und klar verstanden zu haben, was sie infolge ihrer Tätigkeit erreichen wollen, „alles und noch ein bisschen und das vorgestern“.

Eigentlich ist die Idee für dieses Material bei mir schon vor ungefähr einem Monat entstanden. Der Text hatte sich im Gehirn schon lange gebildet und so blieb nur noch übrig, ihn auf dem Computer zusammenzuschreiben, aber irgendetwas hielt mich ab. Das Material war anscheinend umfangreich genug, aber etwas reichte darin dann doch noch nicht aus. Am 25. Juli habe ich das fehlende Glied zufällig entdeckt.

Habe das deshalb entdeckt, weil ich den Blog Boris Roschins regelmäßig und aufmerksam lese, weil ich seine talentierte Arbeit mit den Informationen achte, wenn wir auch im russischen innenpatriotischen Diskurs verschiedene (weich aber nicht freundlich gesagt) Gruppen unterstützen.

Also, Roschin hat in seinem Blog einen Hinweis zu einem Interview Oleg Nemenskis eingestellt und im Begleitartikel bemerkt, dass er „mit der Mehrheit der Einschätzungen» im Prinzip einverstanden ist. Interessant, ich bin auch mit der überwiegenden Mehrheit der Einschätzungen einverstanden. Außerdem, wenn ich Roschin lese, und ich lese ihn, wie schon oben gesagt, regelmäßig, bin ich auch mit der Mehrheit seiner Einschätzungen im Prinzip einverstanden. Nicht mit allem, aber mit der Mehrheit und oft tragen die Differenzen keinen prinzipiellen (in der Bewertung) Charakter. Das heißt, mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir die Entwicklung der zukünftigen Ereignisse etwas unterschiedlich sehen, auch können wir die von der russischen Macht getroffenen und realisierten Entscheidungen mit sich unterscheidender Effektivität bewerten. Jedoch bewerten wir wer unser Feind ist, welche Ziele er hat, sowie die Notwendigkeit einer harten Opposition gegenüber dem Feind identisch.

Meine Aufmerksamkeit wurde in diesem Fall ausschließlich davon geweckt, dass wir zu dritt in fast schon perfektem Maße drei Hauptrichtungen der patriotischen Ideologie personalisieren. Und es ist folgerichtig, dass wir, wenn wir bestimmen können, was uns teilt, wir auch bestimmen können, was die Patrioten insgesamt abgrenzt und worüber man nachdenken muss, wenn man das bekämpfen will.

Also:

Oleg Nemenski positioniert sich wie der russische Nationalist, der sich um die Bildung eines nationalen Staates des russischen Volkes sorgt. Infolge seiner in dieser Umgebung angesiedelten Beobachtungen könnte man ihn als einen orthodoxen Monarchisten bezeichnen, aber einen vollkommen gemäßigten, dass heißt, im Unterschied zu vielen Nationalisten (von denen man denkt sie wären Neoheiden), muss man ihn nicht für einen orthodoxen Fundamentalisten halten. Wäre er notfalls gezwungen, zwischen der Monarchie und dem nationalen russischen Staat zu wählen, er würde sicher den russischen Staat wählen.

Boris Roschin ist, wenn man ihn nach seinen Texten beurteilt – ein Atheist, der an den sozialistischen Ansichten festhält und vollkommen harmonisch der Idee der Wiederherstellung der sowjetischen Volksherrschaft nachhängt.

Ich, Rostislaw Ischtschenko, meine, dass sich der historische russische Staat in Form eines multinationalen euroasiatischen Imperiums gebildet hatte und in einer anderen Form schon nicht mehr existieren kann. Ich habe nichts gegen die Wiederherstellung der orthodoxen Monarchie. Es könnte gern auch in einer Verfassungsform möglich werden, denn die ganze Periode der Verfassungsexistenz Russlands hat bezeugt, dass die Autokratie die wirksamste Form der staatlichen Organisiertheit für die Verwaltung riesiger dünn bevölkerter aber multinationaler Weiten mit einem schweren Klima und der harten Notwendigkeit (im Interesse des Überlebens des Landes und seiner Völker) der zentralisierten Umverteilung der Ressourcen ist. Schließlich erwiesen sich sowohl in der kommunistischen wie auch in der nachkommunistischen Epoche die autokratischen Herrscher als die erfolgreichsten (der Generalsekretär, der Präsident), die begabt und hart alle Zweige und Abzweigungen der Macht kontrollierten und die blitzschnelle Reaktion des Staates auf die sich ändernden Bedürfnisse der Gesellschaft gewährleisten konnten. Ich bin ein Orthodoxer und trotzdem sehe ich nichtsdestoweniger kein Problem in der hypothetisch sowjetischen atheistischen Regierung bezüglich der Erhaltung der vollen Gewissensfreiheit. Das heißt, die atheistische Propaganda (wegen ihrer Aggressivität) sollte sich unter einem ähnlichen Verbot befinden, wie auch die Propaganda für die Homosexualität. Das ist ein objektives Bedürfnis nicht nur für den multinationalen, sondern auch für den Mehrkonfessionsstaat. Ich meine, dass die orthodoxe Religion danach streben sollte, die größte und maßgeblichste Konfession zu sein, aber sie kann — infolge des Reichsstatus Russlands — keine staatliche Religion sein. Genauso wenig kann der Atheismus zur staatlichen Religion werden (ich habe mich was den Atheismus und auch die Religion betrifft sicher nicht geirrt, nur stützen sie sich anstelle des Glaubens an Gott auf ihre Dogmen im Glauben daran, dass es keinen Gott gibt).

Grob gesagt ist Oleg Nemenski in erster Linie an einem Staat der Russen interessiert, für Boris Roschin ist es die sozialistische Räterepublik, für mich ist es das euroasiatische Imperium Russland.

Ich denke, hiervon gehen auch unsere Divergenzen aus. In dem Fall, in dem wir mit klugen und adäquaten Menschen zu tun haben, sind unsere Differenzen überwindbar (in der gegebenen Etappe der Divergenz), und nicht unüberwindlich, wie es bei uns – im Gegensatz dazu – mit den ukrainischen Nazis und den amerikanischen Hegemonisten wäre.

Wenn Sie meinen, dass die primäre staatsbürgerliche Bildung des russischen Volkes, jene in Bezug auf die Situation in der Ukraine ist, dann streben Sie in den Schoß des „Russischen“ zurück und stoßen sich dabei maximal am „Ukrainischen“ der Russen (wünschenswert wäre es zusammen mit den Territorien). Gleichzeitig verstehen Sie, dass Sie Millionen bereits existierende Ukrainer nicht erschießen werden, Sie sind einverstanden, sie in ihren Interessensphären zu belassen (es wäre ohne die Territorien wünschenswert, aber da es so unwirklich ist, ist es auch mit den Territorien möglich).

Die Mehrheit der Russen, geht von einer wie auch immer aussehenden Korrektur, bezüglich der Rückführung ins „Russische“ der Ukrainer auf den Gebieten Noworossijas aus und ist der Meinung, das Noworossijsker Projekt sei in einer Übergangszeit vollkommen allein lebensfähig (dennoch ist ohne Russland dieses Territorium nicht überlebensfähig), mit der Zuversicht, dass es nach Abschluss der Übergangsperiode gelingen wird, diese Gebiete in den Nationalstaat der Russen zu integrieren und mit ihrer Bevölkerung (15-20 Millionen Noworossijsker Russen) in diesem Staat die russische Komponente zu verstärken.

Da die übrigen Territorien und die Bevölkerung dieser übrigen Territorien Sie nicht interessieren, gehen Sie davon aus, dass die russischen Erden so schnell wie möglich und so bald wie möglich einzunehmen sind und den auf den feindseligen Territorien verbleibenden Russen die Möglichkeit der ungehinderten Emigration nach Russland und auf die dort wieder eingebundenen Erden zu gewährleisten (man könnte sie auch gegen lokale Ukrainer austauschen). Damit ist Ihr Plan von der großen Rechnung her beendet und was übrig bleibt, das nicht russische Territorium der Ukraine, kann Ihrer Meinung nach, auf der großen Rechnung, dann dort weiter existieren. Sie verstehen, dass unabhängig davon, ob dieses Territorium formell unabhängig bleibt (was unwahrscheinlich ist) oder zwischen den westlichen Nachbarn aufgeteilt sein wird (dass wahrscheinlichere), es werden dort in überschaubarer Zukunft kaum Ukrainer übrig bleiben – teilweise werden sie aussterben, teilweise emigrieren, sie werden von den Ungaren, den Polen, den Tschechen und «den übrigen Schweden» teilweise assimiliert werden.

So wird die Gefahr, die in sich das „Ukrainische“ vorstellt, das wie eine Alternative zum „Russischen“ es gegenwärtig von innen her zerfrisst, dann entfernt sein wird. Was an und für sich gut ist. Noch besser wäre es, wenn man sich dabei nicht die Hände beschmutzen müsste – das wäre noch viel besser.

So sehe ich die strategische Position der adäquaten Nationalisten.

Jetzt zu den Sozialisten des sowjetischen Musters. Nach allem was ich weiß, teilen wir die Einschätzung Wladimir Putins, der erklärte, dass die Wiederherstellung der UdSSR (lies, einer sozialistischen Republik der Räte) in überschaubarer Zukunft unmöglich ist. Der Unterschied zwischen uns besteht darin, dass das für mich die Realität ist, nichts was in einer wesentlichen Weise gegen die Interessen des russischen Staates einzutauschen wäre, und für sie, unterliegt auch die Realität der Veränderung.

Und wenn es schon unmöglich ist, es auf dem Hoheitsgebiet Russlands zu machen, warum sollte man es dann nicht auf dem Territorium Noworossijas machen können? Ich möchte daran erinnern, dass es die ersten Noworossisker Feldkommandeure waren, mit denen die Restauratoren der UdSSR sympathisierten, die sich außer mit dem Krieg und Erpressungen auch mit der Verkündigung der sozialistischen Losungen beschäftigten und dabei Noworossija positionierten wie den Ort, wo die Zukunft Russlands aufblüht. Und so sollte, wie auch für die Ukraine, ein alternatives Russland, nur mit dem Zeichen “ +.“ (Russland +) für die Sozialisten Noworossija erobern, damit die Sozialisten ausgehend von diesem Brückenkopf die Wiederherstellung der UdSSR beginnen konnten.

Von diesem Standpunkt aus könnten die übrigen Regionen der Ukraine verloren sein und man könnte sie auch für immer abschreiben (im Jahr 1921, beim Abschluss des Rigaer Friedens konnte niemand vermuten, dass man schon in 1939 den Polen alles wieder abnehmen kann, dass sie unrechter Weise ergriffen hatten). Die Hauptsache ist – die Republik der Räte in Russland wieder herzustellen, da dann die wieder hergestellte sowjetische Macht, die ausreichende materielle und militärische Ressourcen besitzt, um einer postbialystoker Realität das Recht abzusprechen.

Man muss anerkennen und begreifen, dass die nostalgische Sicht auf die sowjetischen Zeiten (als der Grubenarbeiter noch ein weißer Knochen war) der Bevölkerung des Donbass, von der ein Drittel im Wesentlichen und tatsächlich frei ist, und nicht nur theoretisch, wirklich sympathisiert mit Noworossija und mit der vorliegenden Konzeption, und zwar so, dass sogar die orthodoxen Monarchisten-Fundamentalisten (nicht mit den obenangeführten adäquaten russischen Nationalisten zu verwechseln), die einen großen Teil der in den Donbass kommenden Freiwilligen ausmachen, gezwungen waren, diese sozialistischen Sympathien der lokalen Bevölkerung anzuerkennen und zu ertragen, woraus sich die eigentliche, einheitliche Position zum Donbass der sich sonst in den innerrussischen Beziehungen hassenden orthodoxen Kommunisten und der orthodoxen Monarchisten-Fundamentalisten gebildet hat.

Weil die «abgesonderten Bezirke der Donezker und Lugansker Gebiete» – ein offenbar ungenügender Raum für die Bildung eines «sowjetischen Russlands» sind, brauchen die Restauratoren der UdSSR das ganze Noworossija zwingend. Und da für die Eroberung nur das nicht sowjetische Russland verfügbar ist, sind sie mit der Langsamkeit der russischen Führung äußerst unzufrieden. nachher verpassen sie noch wegen Russland ihre Chance.

Jetzt zur Reichskonzeption:

Von diesem Standpunkt aus ist Russland – wie auch immer es heißen würde und welcher Staatsaufbau auch immer in ihm herrschen würde – eine geopolitische Realität. Infolge der traditionellen Militärmacht, der Selbstversorgung mit Ressourcen aller Art und der vorteilhaften geographischen Lage, die es gestattet, einen bedeutenden Teil der Landhandelswege aus Europa nach Asien, in der Welt zu kontrollieren und es kam periodisch vor (hauptsächlich im Westen, aber auch im Osten), dass entstehende Kräfte versuchten, diese geopolitische Realität zu zerstören. Das ist nichts Persönliches – es ist einfach geopolitische Konkurrenz – die natürliche zwischenstaatliche Auswahl – ein Kampf ums Überleben.

In diesem Zusammenhang ist das Streben Russlands zu natürlich schützenden Grenzen eine obligatorische Bedingung des Überlebens der russischen Völker. Die Notwendigkeit der Beachtung dieser Bedingung hängt nicht davon ab, auf was für einem Territorium man lebt. Vom militär-strategischen Standpunkt aus sollte es in den Bestand Russlands aufgenommen werden, die russischen, die ehemals russischen, die teil-russischen oder ganz und gar nicht russischen. Gerade deshalb hat das russische Volk es gelernt, den Staat so zu organisieren, dass sich das Leben mit den Völkern unterschiedlicher Nationalitäten und unterschiedlichen Glaubens in einem politischen und Wirtschaftsraum als vorteilhafter als alles andere erwies. Anders hätten die Russen einfach nicht überlebt. Es waren in erster Linie genug Ressourcen vorhanden, nur menschliche waren es nicht genug, um solche riesige und komplizierte Besiedlung des Raumes zu errichten und festzuhalten. Die Völker ihrerseits waren alle zahlreicher als die Russen. Die konnten nicht – oder sie haben es einfach nicht gewollt, sich nach Sibirien bewegen, in die Taiga, in den Hohen Norden und den Fernen Osten. Nur die Russen haben das politische System geschaffen, dass in der Lage ist, ohne überflüssige Anstrengungen diese geschaffenen Räume zu erhalten.

Von hier aus ziehe ich eine einfache Schlußfolgerung: Nur bei Erhaltung des Reichs-, multinationalen, Mehrkonfessions- und grundsätzlich internationalen Charakters wird Russland fähig sein, den Staat in den existierenden Grenzen zu bewahren, ihm die Chance auf eine Perspektive zu gestatten, die abgefallenen Territorien zurückzuholen oder über eine Befragung ihren Willen festzustellen, und im Falle des Erfolges, das Territorium der Russischen Welt weit über die natürlichen Grenzen des euroasiatischen Imperiums auszudehnen. Die soziale und die Gesellschaftsordnung sind dabei zweitrangig, von erstrangiger Bedeutung ist die Angemessenheit und die Effektivität der Staatsmacht.

Bei solchem Herangehen ist es primär entscheidend, die Erhaltung und die Festigung des russischen Staates, als mächtige militärische, wirtschaftliche und politische Einheit zu entwickeln, die fähig ist, stufenweise Entscheidung zu Aufgaben der Wiederherstellung der Kontrolle über den Reichsraum zu gewährleisten. Die Fragen Donbass, Noworossija, Malorossija und der Ukraine insgesamt sind in diesem Fall nebensächlich.

Ich zweifle, wie auch meine Kollegen, nicht daran, dass Russland auf Wunsch die militärische Kontrolle über jeden beliebigen Teil der Ukraine, wie auch über die ganze Ukraine schnell herstellen könnte. Ich bezweifle nur, dass das keine Reaktion (einschließlich einer militärischen) «unserer Freunde und Partner» ausgelöst hätte. Einige unsere „Gurus“ der kleinen Blogger – Sekten wissen immer ganz genau wie weit Putin gehen kann. Aber sie verstehen aus irgendeinem Grunde nicht, dass sich das mit Merkel, Cameron und, am wichtigsten, mit Obama genauso verhält. Ein beliebiger Politiker kann in einem beliebigen Staat (unabhängig davon ob er für das Gute kämpft oder für das Schlechte) immer nur bis zu einer bestimmten Grenze gehen. Einen Schritt weiter – bedeutet entweder Krieg oder Kapitulation.

Und wer denkt, dass in der nuklearen Epoche der Krieg unmöglich ist, dem werde ich entgegnen, dass die Kernwaffen Ihnen nur dann etwas bringen, wenn Sie unter bestimmten Umständen bereit sind, sie auch einzusetzen und wenn Ihr Opponent nicht bezweifelt, dass Sie sie verwenden werden. Unter solchen Bedingungen ist es abenteuerlich, das Schicksal zu erproben und mit der wissenschaftlichen Methode von Versuch/Irrtum bestimmen zu wollen, ob sich die Amerikaner ergeben werden oder nicht. In Georgien (in 2008), Syrien (in 2012-13) und auf der Krim (in 2014) hat Russland auf ein vernünftiges Risiko gesetzt und gewonnen. Im Donbass ist Russland auch Risiken eingegangen. Aber noch höhere Risiken wären unvernünftig.

Und nicht nur deshalb, weil man so in einen Krieg mit Atommächten eintreten würde. Entlang der russischen Grenzen gibt es massenhaft potentielle Konfliktregionen. Es ist eine ununterbrochene Konfliktregion. In bedeutendem Maße wird die Situation dadurch stabilisiert, dass die russische Armee die Fähigkeit besitzt, blitzschnell auf jede beliebige kritische Situation zu reagieren. Aber die Armee ist nicht aus Gummi (die übrigen Ressourcen auch nicht). Wenn sich in der Ukraine die sehr wahrscheinliche militär-politische Opposition verbinden wird (wenn auch ohne realen Krieg) mit ganz Europa oder einem bedeutenden Teil, dann wird Russland die Reaktionsfähigkeiten im Kaukasus, in Mittelasien und in Fernost verlieren.

Für die Amerikaner wird es einfach genug sein, die Bemühungen an einen anderen Platz zu verlegen und gebunden von der Ukraine und Europa wird sich Russland als unfähig zu einer adäquaten Antwort erweisen. Und das kann sich als sehr gefährlich erweisen und vielleicht nicht zum sofortigen Infarkt des russischen Staates führen, aber es wäre eine ernste Schwächung seiner internationalen Autorität, mit allen damit verbundenen Folgen, bis dahin, dass schlußendlich die Existenz des russischen Volkes bedroht wäre.

Deshalb führt, von meinem Standpunkt aus, die russische Führung heute eine komplizierte, riskante, vielen innerhalb des Landes unklare, aber einzig und allein richtige Operation durch, in deren Verlauf die Hauptressourcen Russlands frei bleiben, und der Westen immer enger mit der Destabilisierung des ukrainischen Regimes und den eigenen inneren Widersprüchen, die infolge der Systemkrise vertieft werden, verbunden wird.

Nur auf die Weise, mittels eines langen und komplizierten politischen Manöverspiels, vom Gegner eine nebensächliche Position nach der anderen wiedergewinnend, die Verbündeten übernehmend, zur Spaltung im feindlichen Lager beitragend, kann man die Situation für den von vornherein stärkeren Feind allmählich schaffen, dass er kritisch schwach wird und letzten Endes einem Abkommen zu unseren Bedingungen zustimmen muß. Gerade einem Abkommen und nicht der Kapitulation. Das gleichberechtigte Abkommen wird zu einer Kapitulation der USA werden. Zwei Worte zu seinem möglichen Format. Den USA und der EU (gerade der ganzen EU und nicht jedem einzelnen Staat) könnte man anbieten, sich zum Beispiel BRICS (erstmal im Format BRICS + …) und der SOZ (als Beobachter) anzuschließen, mit der Möglichkeit des allmählichen Übergangs in die vollwertige Mitgliedschaft (vorbehaltlich der Ausführung der entsprechenden Kriterien). Wenn auch mit beratender Stimme (sie können damit die Arbeit der Strukturen nicht sperren), aber an der Erarbeitung der Kriterien können sie teilnehmen und wenn sie anfangen, denen zu entsprechen, dann kann man sie auch aufnehmen.

Das Schema ist damit gezeichnet, in dem die USA und die EU Kontakt zu Russland und anderen postsowjetischen Ländern der 90-iger Jahren haben könnten. Wenn du den ehemaligen Feind kontrollieren willst, seine Souveränität formell aber nicht beschränken kannst – dann integriere ihn in die globalen von dir geschaffenen Strukturen, wo er erzwungen sein wird, nach den von dir geschriebenen Regeln zu spielen.

In jeder anderen Variante kann die in die Enge getriebene Ratte dem Treiber einen tödlichen Biss zufügen. Eine Alternative zu solchem Herangehen kann nur der Schlag mit allen nuklearen Kräften sein, laut die Worte rufend „dafür haben wir nicht verloren“ . Aber dann gibt es keinen mehr, der die Früchte der „Nichtniederlage» noch ausnutzen kann.

Eigentlich, und damit beenden wir dann das mit den Differenzen und können endlich dazu übergehen, was uns vereinigt. Alle drei beschriebenen politischen Konzeptionen vermuten die Existenz eines starken Russlands. Wenn diese Bedingung nicht erfüllt wird, so gelten auch die Konzeptionen nicht. Deshalb halte ich es für zulässig und sogar notwendig, die Frage darüber auf später zu verschieben, welchen Staat und welches soziale System wir bauen werden wenn Noworossija befreit sein wird (der Lauf der Ereignisse zeigt, dass das bald, aber nicht morgen geschehen wird und aller Wahrscheinlichkeit nach zusammen mit der ganzen oder fast mit der ganzen Ukraine). Und wir müssen uns konzentrieren auf der Erhaltung und die Mehrung der militärischen-, politischen und wirtschaftlichen Macht und der außenpolitischen Manövrierfähigkeit des russischen Staates, auf die Erweiterung seiner politischen Ressourcenbasis.

«Die Reserven sollen so lange wie nötig zurückgehalten werden, aber jener General, der noch zum Schluß Reserve aufgespart hat, wird nicht gesiegt haben», – sagte auf dem Schlachtfeld von Borodino Ihre Durchlaucht Fürst M.I.Golenischtschew-Kutusow-Smolensky, der Moskau aufgegeben hatte aber die Große Armee Napoleons zerstörte. Russland – unsere letzte Reserve.

Invictus maneo!

Rostislaw Ischtschenko, Kommentator von «Russland heute»

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