Zu den Ereignissen in Mukatschewo

ukrainas-pilseta-mukaceve-brunoti-cilveki-bloke-celu-apsaudes-vairaki-46204317К событиям в Мукачево


Rostislaw Ischtschenko 12.07.2015

Übersetzt aus dem russischen: Thomas

Also, in Mukatschewo hat ein Scharmützel zwischen dem Rechten Sektor und der Junta-Miliz stattgefunden. Sofort wurden Kommentare veröffentlicht, die damit beginnen, dass das der Anfang vom Ende ist und damit enden, dass nichts furchtbares geschehen wird, weil Poroschenko alle erdrücken oder einen Kompromiss finden wird. Gut, schauen wir uns das Ganze mal an.

Es hat nicht das Ende begonnen. Denn der Anfang vom Ende war in jenem Moment, als die Junta begann, sich auf die ungesetzlich bewaffneten Gruppen der Nazis zu stützen. Genau in diesem Moment hat der Staat auf sein Recht auf das Gewaltmonopol verzichtet. Seit dieser Zeit war der Konflikt zwischen verschiedenen Gruppierungen der Junta unvermeidlich.

Viele von uns hofften, dass die Explosion früher geschehen würde, aber den USA gelang es vorübergehend, die Situation zu stabilisieren. Wenigstens verhältnismäßig zu stabilisieren, da die bewaffneten Gruppen der Nazis nicht entlassen wurden und sich den Behörden nicht vollständig unterwerfen mussten, sondern auch weil der innere Krieg noch nicht angefangen hatte.

Aber nichtsdestoweniger gab es diese Explosion und sie war unvermeidlich. Ihre Unvermeidlichkeit wird von der Beschränktheit der Ressourcen der Junta und von der fehlenden Bereitschaft und auch von der Unfähigkeit der USA diktiert, allen Gruppierungen in der Ukraine genügend Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit auch noch etwas für die Aufrechterhaltung der Funktionen des Staates übrig bleibt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der vorliegende Konflikt in einen gesamtukrainischen umschlägt. Er kann zum Streichholz werden, daß das Fass mit dem Pulver zur Explosion bringt, kann es aber auch nicht werden. Dann muss man eben weiter warten.

Gut, zu den Schlussfolgerungen. Was haben wir?

Der Konflikt in Mukatschewo ist für uns unbedingt positiv. Er kann drei Hauptfolgen haben:

1. Die Unterdrückung des Rechten Sektors.

2. Der Sturz Poroschenkos.

3. Einen vorübergehenden Kompromiss.

Jede dieser Varianten schwächt die Macht Kiews und die Destabilisierung wächst. Unabhängig davon was da war, sind die Polizei und der Rechte Sektor beide bewaffnete Stützen der Junta. Die Polizei wird für die formelle gesetzliche Unterdrückung des Widerstands verwendet. Der rechte Sektor ist eher für die außergerichtlichen Abrechnungen da.

Wenn zwei bewaffnete Strukturen eines Systems beginnen aufeinander zu schießen, dann kann es nur eines bedeuten – es befindet sich das System in einer tiefen Krise und die verschiedenen Gruppierungen können sich nicht mehr friedlich vereinbaren. Das heißt, es wird — wie dem auch sei — ein Krieg innerhalb des Systems unvermeidlich. Wenn es auch möglich ist, dass sich die endgültige Explosion, wie ich höher schrieb, noch verschiebt — aber nicht auf unbestimmte Zeit.

Ist das vorteilhaft für uns? Ja, es ist in jeder beliebigen Variante vorteilhaft.

Wenn Poroschenko den Rechten Sektor unterdrückt – dann verliert die Macht mit den am meisten motivierten Nazis eine Stütze, einschließlich des Teils der freiwilligen Bewegung, den die Armee füttert. Viele Freiwillige sympathisieren mit dem Rechten Sektor. Genauso viele Sympathisanten findet man unter den Offizieren, einschließlich in den höchsten Kommandoebenen. Das heißt, die bewaffneten Stützen der Macht werden schwächer.

Wenn der Rechte Sektor Poroschenko wegfegen sollte, dann ist das noch besser. In der Ukraine wird die radikal-nationalistische Diktatur festgestellt werden, der gegenüber die Amerikaner, und besonders Europa, kein Auge mehr zudrücken können. Die internationale Rechtmäßigkeit des Regimes wird bis auf Null herabfallen, der Widerstand ihm gegenüber innerhalb des Landes wird sich steigern. Außerdem kann die Junta nicht in der ganzen Ukraine die Nazis unter Kontrolle nehmen (jedenfalls nicht ohne die Unterstützung der amtierenden Politiker).

Sie werden sich irgendwie vereinbaren. Schlecht natürlich, denn es wird die Widersprüche nicht auflösen, dass heißt, die Gründe für die Schießerei und den folgenden Konflikt bestehen weiter und es wird eine Sache der Zeit und nicht des Prinzips, dass alles wieder aufbricht. Außerdem wird Poroschenko es sich auf die Fahnen schreiben, dass man in seinem Land nicht ungestraft ein Geplänkel mit der Polizei haben darf. Und mit Waffen in den Händen ist der Hass auf die Macht seit langem angewachsen und hat sogar schon Maidan-Kreise erfasst. Und endlich, ist der Rechte Sektor auch gedemütigt und verletzt, die unbestrafte Erfahrung der Anwendung von Waffen gegen die Vertreter der Macht wird doch dazu führen, dass weitere ähnliche „Heldentaten“ erwartet werden können.

Der trockene Rest zusammengefasst:

1. Die Destabilisierung innerhalb der Kiewer Macht wächst an.

2. Ein Kompromiss ist unmöglich.

3. Der Präzedenzfall einer bewaffneten Opposition ist schon geschaffen.

4. Es bleibt nur übrig darauf zu warten, dass die Zahlen solcher Fälle steigen.

5. Wie lange haben wir zu warten? Ich weiß nicht, aber ich denke, dass schlimmstenfalls die Rede von einigen Monaten ist und möglicherweise geht es viel schneller.

6. Außerdem zeugt der vorliegende Zwischenfall davon, dass selbst die Amerikaner die Situation nicht mehr unter Kontrolle halten können.

Invictus maneo!

Rostislaw Ischtschenko, Kommentator МИА «Russland heute»


***Mukatschewe (ukrainisch Мукачеве deutsch Munkatsch) ist eine Stadt im westukrainischen Oblast Transkarpatien. Mukatschewe ist der Sitz des Verwaltungszentrums für den Rajon, ein Weinbaugebiet, und liegt am Fluss Latorica, 250 km südwestlich von Lemberg. Mukatschewe liegt nahe der Grenze zu Polen(200 km), Slowakei (90 km), Ungarn (40 km) und Rumänien (110 km). Die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Burg Palanok, die im 14. Jahrhundert auf dem Lankova errichtet wurde.

mukatschewe

Die Stadt ist Knotenpunkt zwischen der EU und Osteuropa. Mukatschewe ist Standort von Fabriken aus der Bier-, Wein-, Tabak-, Textil-, Möbel- und Lebensmittelindustrie. Im Stadtzentrum findet der größte Basar der Provinz Transkarpatien statt.

In Mukatschewe bilden Ukrainer den Hauptanteil der Einwohnerzahl (77,1 %). Die größten Minderheiten stellen Russen (9,0 %), Magyaren (8,5 %), Deutsche (1,9 %) und Roma (1,4 %).

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