Die untergehende Ukraine

Исчезающая Украина

Rostislaw Ischtschenko 10.07.2015 – Übersetzt aus dem russischen: Thomas

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Bis zum Umsturz in der Ukraine, bis in Kiew die „Eurointegratoren“ an die Macht kamen hatte ich immer den folgenden Grundgedanken: Russland kann sich mit dem Entstehen einer aggressiven, russophoben und Banderistenukraine an seiner Grenze nicht zufrieden geben, die sich noch dazu wünscht, dass Moskau ihren Eintritt in die EU und in die NATO bezahlt. Also, wenn so eine Ukraine entstehen sollte, so wird sie im Verlaufe von einem überschaubaren Zeitraum aufhören, als eine beliebige Ukraine zu existieren. Ich sprach dieselben Gedanken auch nach dem Umsturz aus, schon an die russischen Hörer gewandt. Meine Meinung dazu hat sich bis jetzt nicht geändert.

Der Teil, der russisch und prorussisch eingestellten ukrainischen Öffentlichkeit meint nichtsdestoweniger, dass der Kreml davon träumt, die Ukraine zu bewahren. Da die Anhänger dieses Standpunktes auf Tatsachen verweisen, die sie für überzeugend halten, stelle ich mir vor, dass es zweckmäßig oder doch wenigstens vernünftig ist, davon auszugehen, dass das alles nicht in der Ukraine sondern eigentlich um sie herum geschieht. Also, die Anhänger der aggressiveren Politik, die meinen, dass die russische Führung versucht, die Beziehungen mit dem Westen zu retten und deshalb bereit ist, den Donbass in die Ukraine hineinzustopfen, natürlich vorbehaltlich ihrer formalen Neutralität, stützen sich hauptsächlich auf die folgenden Behauptungen:

Russland hat in die Ukraine die Truppen nicht rechtzeitig reingeschickt, um die Junta zu stürzen.

Der Landwehr haben sie materiell nur ungenügend geholfen und als die zum Angriff übergangen sind, haben sie sie zweimal angehalten, haben nicht gestattet, die ganze Ukraine zu befreien und haben sie gezwungen, den Minsker Abkommen zuzustimmen, die die Erhaltung des Donbass im Bestande der Ukraine zementieren.

Russland unterstützt die ukrainische Wirtschaft, es liefert Gas in die Ukraine und in der Ukraine arbeiten russische Banken.

Russland hat das ukrainische Regime anerkannt und strebt danach, den wieder auferstandenen Donbass unter ihre Macht zurückzugeben.

Es gibt noch Varianten von denselben Behauptungen, es gibt auch andere Beispiele von angeblich existierenden Absichten Russlands „alles zusammenzuziehen», aber insgesamt erklären diese Punkte anschaulich die Basis der Antidonbassabsichten des Kremls.

Also werden wir nicht pathetisch ausrufen: «Warum kämpfen die Russen mit den Amerikanern, wenn sie, arm wie sie sind, nur nicht wissen wie man sich ergibt!» Wir betrachten die reale Beweiskraft der aufgestellten Behauptungen.

1. In einem reellen und nicht militaristisch entzündeten heißen Gehirn ist es klar, dass in der Situation des Februar-Juli 2014 die gesellschaftliche Bewegung in der Ukraine von zwei Gruppen von Oligarchen kontrolliert wurde. Eine, die sich auf die Nazi- Kämpfer stützte, kontrollierte Kiew. Mit ihrer Hilfe planten die USA, Russland in einen Konflikt mit der EU (es wäre bewaffnet wünschenswert) auf dem Territorium der Ukraine hineinzuziehen. Die zweite kontrollierte nicht ohne Erfolg (sich bemühend, nicht zu genau beleuchtet zu werden) die Protestbewegung im Südosten (der damals noch nicht Noworossija war). Diese Gruppierung wünschte auch, Russland in den Konflikt hineinzuziehen, um gesprächsweise ihre Position im Kampf mit der ersten Gruppe für die Stärkung ihres Einflusses im Land nach Janukowytsch zu verbessern. Die Position dieser Gruppe könnte man wie folgt beschreiben: Besetzen Sie Kiew, Poltawa, das Fürstentum Tschernigow, Sumy und Galizien, und uns geben Sie den Donbass, Charkow und Odessa. Und Nikolaew, Cherson, Saporoschje und Dnepropetrowsk sollen für die Interessen alle oligarchischen Familien zurückgestellt und geschützt werden.

Das heißt, die russischen Truppen sollten, trotz der legitimen Interessen Russlands und im Interesse der USA, die Interessen der Oligarchen vertreten, die beim Sturz Janukowytschs selbst Hand angelegt aber dabei verloren hatten.

Natürlich kann Moskau die Armee nur mit einem internationalen Rechtsgrund in die Ukraine schicken. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass es sich um die Bitte um Hilfe des gewählten Präsidenten gehandelt hätte, der sich schon auf dem Hoheitsgebiet Russlands befand, was zugelassen hätte, seine Aktionsfähigkeit in Zweifel zu stellen. Dieser Präsident war allerdings nicht nur den Gegnern, sondern auch den Anhängern verhasst, die er verraten hatte. Die Elite trat geschlossen gegen die Rückführung Janukowytschs auf und das Volk insgesamt war damit einverstanden. Der Südosten hatte nicht nur keinen einheitlichen Führer, sondern auch keine Gruppe von zukünftigen Führern (Politiker-Emigranten, die sich bis jetzt weder vereinigen konnten, noch etwas anderes taugliches anbieten konnten, außer die Erwartung jenen glücklichen Momentes, wenn der Kreml ihnen erlaubt zurückzukehren in die Ukraine im Wagenzug der Sieger-Armee und unter dem Schutz ihrer Bajonette, was übrigens niemals passieren wird). Die Armee, das Innenministerium, der SBU, alle bewaffneten Strukturen sind nicht gegen die Putschisten aufgetreten und haben sich ihnen praktisch unterworfen. Sogar auf der Krim, sind sich alle Militärs, außer dem Krim-Berkut praktisch der Verderblichkeit des Putsches bewußt gewesen und wurden dann erst von den Ideen der Russischen Welt durchdrungen, als sie anfingen, überall auf der Halbinsel gut ausgerüstete und ausgebildete «höfliche Menschen» auf moderner Panzertechnik zu treffen. Und selbst dabei, als eine Woche lang zwei spezielle Garnisonen sich nicht ergeben wollten, war das Risiko des Anfanges der Kämpfe vorhanden.

Es ist klar, dass der Widerstand der Armee auf dem Mutter-Territorium der Ukraine schnell gebrochen wäre, aber die Zeit würde ausreichend sein, dass sich die Rada mit der Bitte um Hilfe an den Westen wenden könnte, für den das ein internationaler Rechtsgrund wäre, in die Ukraine ihre Truppen zu schicken. Das wäre viel ernster für die Russen, da der Hilferuf nicht von dem von allen verhassten Präsidenten, der davongelaufen war, um nicht von seinem eigenen Volk getötet zu werden, sondern vom allgemein gewählten Parlament kam, dass in der eigenen Hauptstadt eine Sitzung hatte. Daraufhin würde es wahrscheinlich gelingen, einen Teil der ukrainischen Gebiete in den Bestand Russlands aufzunehmen oder dort ein „Puffer-Noworossija“ zu schaffen, und in dem anderen Teil würde sich ein Nazi- und Banderistenstaat bilden, und das wenn nicht auf ewig, so aber mindestens für lange Zeit. Der Westen hat ja bekanntlich einen großen Erfahrungsschatz bei der Bildung von geteilten Ländern. Man muss ebenfalls berücksichtigen, dass in der Westukraine eine konsolidierte Bevölkerung vom „Kampf mit dem Aggressor» ideologisch träumen würde, während auf der russischen Hälfte das Durcheinander der Russophilen, Neurussen, Kleinrussen, mit bedeutendem (nicht weniger als 30 %) Einschluß von vollkommen „national-bewussten“ Ukrainern wäre, die auf die Befreiung durch die „Brüder“ aus dem Westen warten würden. Im Allgemeinen wäre das wie in Vietnam (einheitlicher ideologisierter Vietcong gegen lockeren Vietminh) nur genau anders herum.

2. In der ersten Etappe (von März-September 2014) stellte die Landwehr des Donbass einen unverständlichen Brei aus lokalen Freiwilligen, die aus ihren Häusern hinaustraten, aus angemieteten Abteilungen der Oligarchen, die ihre Interessen versuchten zu schützen, sowie aus russischen Freiwilligen, die zum Teil auch auf Einladung der lokalen Oligarchen gekommen sind. Und ein Wirrwarr von Ideen durchzog die Abteilungen „nach den Interessen»: die Kosaken, die Kommunisten, die Trotzkisten, die Nazis, die Monarchisten. Jede dieser Abteilungen unterwarf sich nur dem Kommandeur und jeder Kommandeur entschied selbst — ob er einen Condotta (Arbeitsvertrag beim alten italienischen Militär.d.Ü.) mit jemandem von den Oligarchen unterschreibt, oder ob er die Macht eines der zahlreichen

«Volksbürgermeister» oder «Volksgouverneure» anerkennt oder kämpft auf eigene Angst und eigenes Risiko.

Die Klagen der lokalen Bevölkerung darüber, was man begonnen hatte mit Euphemismen wie «Extraktion» und „Keller“ zu bezeichnen, begannen zu wachsen. Die regelmäßige Verwaltung der Territorien war zerstört und eine neue aus eigener Kraft zu schaffen, dafür reichte die Kraft der Landwehr nicht.

Nichtsdestoweniger gab es sogar in dieser Etappe bei der Landwehr (formell von nirgendwoher erschienen, aber wir verstehen sehr wohl woher) eine mehr als ausreichende Zahl nicht nur von Schützenwaffen, sondern auch von Panzertechnik, von Artilleriesystemen, auch mit Geschossen, sowie den Brennstoff, um die Luftflotte der Ukraine vom Himmel zu verscheuchen — mit dem Besen werden sie sie nicht verjagt haben. Aber man kann sich nicht mit solchen Verbündeten in eine Befreiungsbewegung begeben (wenn dann sollte man für alles von ihnen Verantwortung abpressen und nicht nur für die kleinen Streiche), sie irgendwo hinzuschicken (sie hätten es einfach zerschlagen und die Befreiten hätten sich über solche Befreier nicht gefreut) war verboten. Zunächst musste man die Machnowsche Freiheit in eine reguläre Armee umwandeln, die ein festes Hinterland hat, sicher verwaltet wird von einer bürgerlichen Verwaltung (umwandeln, damit auch die Hilfssendungen nicht gestohlen wurden).

Und dann gab es noch ein Moment. In der ersten Etappe stellte die Landwehr „die Armee“ des klassischen bäuerlichen Aufstands dar. Ebenso, wie sich die „höflichen Menschen» auf der Krim an ihrer russischen Erstklassigkeit ergötzten und nichts von der übrigen Ukraine wissen wollten, so träumten auf dem Donbass die Aufständischen davon, die Gebiete zu befreien. Die Bildung des Nazistaates auf dem übrigen ukrainischen Territorium beunruhigte sie nicht.

Jetzt gibt es auf dem Donbass sowohl eine normale Verwaltung, als auch eine Armee und es entwickelt sich das Verständnis, dass man Kiew nehmen muss. Und das alles ist unter dem Lärm der Minsker Abkommen geschehen. Und wenn man uns sagt, dass sich die ukrainische Armee um ein vielfaches schneller steigert, dann ist das eine freche Lüge. Wobei die Lügner sich eben selber entlarven, wenn sie behaupten, dass als sie im Donbass kämpften, der Vorteil Kiews in der Technik und Ausrüstung und in der Anzahl der Truppen absolut war und jetzt so etwas wie Parität erreicht. Und sollte es jetzt so etwas wie eine Überlegenheit Kiews geben, dann aber in Prozenten und nicht im Vielfachen, wie zu Beginn, existieren. Und das während in der Ukraine 7 Wellen der Mobilisierung und ein Aufruf durchgeführt wurden und im Donbass nur die Freiwilligen kämpfen. Wer schwächt wen schneller?

Und das alles wurde unter dem Lärm der Minsker Abkommen erreicht, die niemand im Begriff war, zu erfüllen und gegen die Kiew immer wieder formell verstößt.

3. Betreffs der Wirtschaft, jener natürlich, die übrig bleibt, wenn Russland nicht im Begriff sein wird, die ganze Ukraine zu kontrollieren. Mn könnte auf die Mehrmilliardenverluste von „Gazprom“ und den russischen Staatsbanken spucken

(das Geld der Steuerzahler bekümmert uns nicht, wir kämpfen nicht des Eigennutzes wegen sondern für eine abstrakte Gerechtigkeit). Aber, wenn Russland im Begriff ist, diese Territorien unter Kontrolle zu nehmen, dann muss ja irgendwie und irgendwo die Bevölkerung überleben und arbeiten. Oder sie wird in den Staatsdienst der Russischen Föderation übernommen und das Gehalt aus dem Budget gezahlt? Die USA, die sich für die Ukraine nur wie für Ausgabematerial im Kampf mit Russland interessieren, zerstören gern und nicht ohne Erfolg die ukrainische Wirtschaft, sie brauchen sie nicht. Und Russland, ob nun im Bestande von der Russischen Föderation, oder auch in der Zollunion oder der Eurasischen Wirtschaftsunion, kann ausgebrannte Erde mit einer Bevölkerung, die von Stütze lebt und eine Wirtschaft, die selbst nur teilweise die Bedürfnisse der Bevölkerung befriedigen kann, nicht gebrauchen. Selbst wenn wenigstens noch die Systeme der Lebenserhaltung der großen Städte arbeiten reicht das nicht. Wohin soll man denn die etwa 20 Millionen Menschen tun, die (abzüglich Krim und Donbass) in den Städten der Ukraine immer noch wohnen. Es ist lächerlich heute das zu zerstören, was morgen wieder benötigt wird.

4. Also und abschließend über das «Einverleiben» des Donbass von der Ukraine. Solche Bezeichnungen politischer Vereinigungen, wie die «Welt der Lugantschan», das «Lugansker Wirtschaftsbündnis», das «Volksbündnis», die «Donezker Republik», der «Freie Donbass» sagen dem statistisch durchschnittlichen russischen Staatsbürger kaum etwas. Das sind aber die Kräfte, die die Parlamente der LVR und der DVR kontrollieren. Und, wie seltsam, sehen ihre Programme ohne Ausnahme den Bau eines unabhängigen Donbass vor, wobei die Führer der DVR und der LVR, Sachartschenko und Plotnizki, in letzter Zeit immer öfter über die Notwendigkeit der Vereinigung der zwei Republiken zu einem Staat reden.

Die Anhänger von Verschwörungstheorien haben zwei Erklärungen für solche Positionen der Führer der Republiken und der parlamentarischen politischen Vereinigungen. Laut der ersten sagen sie eine «Marionette des Kremls» hat es gesagt, laut der zweiten soll auch eine «Marionette des Kremls“ den Befehl verweigert haben. Wir werden kurz darüber nachdenken. Wenn die „Marionette“ sagt, dass befohlen wurde », dann bedeutet das, der Kreml „befiehlt“, sich auf die Unabhängigkeit zu orientieren und nicht auf den Eintritt in die Ukraine. Wenn die

„Marionette“ was anderes machen will, so muß sie wissen, wohin sie die bis zu den Zähnen bewaffneten Leute hinstopfen will?

Übrigens sind die DVR und die LVR im Begriff gewesen, vorfristige Gemeindewahlen im Rahmen des Minsker Prozesses, in Wirklichkeit — ohne jede Vereinbarung mit Kiew — durchzuführen. Nach diesen Wahlen in den Republiken wird die ganze Verwaltungsvertikale endgültig aufgebaut und legalisiert sein.

Also was haben wir als Ergebnis des «Minsker Verrates». In den Territorien, in denen sich Gruppen von bewaffneten Menschen, die mit den Kiewer Truppen kämpfen, bewegen, die keine Vorstellung über die Organisation des Hinterlandes haben und denen die Bedürfnisse der friedlichen Bevölkerung egal sind, die sie schlimmsten Falls als Quelle der persönlichen Versorgung mit allem Notwendigen sehen, ist jetzt eine regelmäßige Verwaltung und staatliche Einrichtung entstanden. Die Machnowschen Partisanen haben sich in eine befriedigend ausgebildete und ausgerüstete reguläre Armee verwandelt. Die Wirtschaft und der Handel der Region sind vollständig an Russland angeschlossen, wobei alles vom Gesichtspunkt des internationalen Rechtes aus ideal aufgezogen ist, da die Beziehungen über das von Russland aber nicht von den USA anerkannte Südossetien abgeschlossen worden sind. Der Russischen Föderation darf man nicht vorhalten, dass sie etwas in Südossetien einkauft und ihnen wieder etwas verkauft. Und Ossetien, das die DVR/LVR anerkannt hat, darf man nicht für den Handel mit den Republiken bestrafen, da sie den USA auch in keinerlei Beziehung etwas schuldig sind. In den Republiken werden die Dokumente ausgegeben, der Rubel wurde eine verfügbare Hauptwährung.

Heute sind die DVR/LVR wenigstens genauso in den russischen politischen und Wirtschaftsraum integriert, wie die weniger bekannten Republiken des Nordkaukasus. Und dieser Prozess entwickelt sich weiter in sehr hohem Tempo. Die Abwesenheit der formalen Anerkennung der DVR/LVR durch Russland ist jetzt sogar vorteilhaft, da das die Tür für ihre direkte Integration in die Russische Föderation nicht schließt.

Kurz gesagt, sind heute die Bedingungen für die weitere Entwicklung der Landwehr und der Befreiung der neuen Territorien der Ukraine nicht einfach nur geschaffen. Endlich gibt es auf dem ukrainischen Territorium eine Alternative zur Kiewer Macht, eingeführt in den Regionen und legitimiert von der Bevölkerung dieser Regionen. Diese Macht verfügt über ausreichende Möglichkeiten, um die wieder befreiten Regionen in wesentlich kleinerem Maß mit jenen Schwierigkeiten zu konfrontieren, die der Donbass ertragen mußte, weil dort eine adäquate bürgerliche Regierung tatsächlich sofort installiert wurde.

Die Ukraine wird wie eine Salami zerschnitten, in Stückchen, und das sehr schnell. Die Frage der Integration dieser Stückchen in Russland muß man dennoch früher oder später entscheiden, da sie weder in der Form eines unabhängigen ukrainischen Staates, noch in der Form von speziellen Volksrepubliken existieren können. Als eine Folge des Bürgerkrieges wird sich noch lange das explosive Potential des gegenseitigen Hasses im Donbass auswirken und Galizien wird das Land (gut, wenn es ohne nochmaliges Blutvergießen geschieht) endgültig zerfetzen. Als zweite Folge werden die zerstörte Wirtschaft und die Probleme der internationalen-rechtlichen Legalisierung diese Territorien für lange Zeit in eine Zone des totalen Elends, der Perspektivlosigkeit und der Hoffnungslosigkeit umwandeln.

Die Geschwindigkeit der Integration in Russland wird für die ehemalige Ukraine von der Entwicklung der globalen Prozesse abhängen. Unter anderem — von der Geschwindigkeit der Unordnung der EU und der Marginalisierung der USA. Die vorübergehenden Übergangsvarianten sind möglich, aber gerade eben vorübergehend. Theoretisch ist der Verlust eines Teiles der Territorien, zum Beispiel, Galiziens, zugunsten der osteuropäischen Nachbarn möglich. Aber nur in erzwungenem Maße und nur im Falle des Beitrittes dieser Ländereien bei den entsprechenden westlichen Nachbarn der Ukraine. Das heißt, Voraussetzung ist, dass keine westlich orientierte Ukraine im Prinzip weiter existiert.

Das, was jetzt als Möglichkeit immer noch erhalten bleibt, wenn nicht alles erreicht wird, ist dann aber nicht die Mehrheit der Ziele, und zwar ohne großen europäischen Krieg — das ist das Ergebnis des «Verrates der Friedensstifter», die sich nach den Tatsachen als wirksamere Annexionisten erwiesen haben, als die „Militaristen“, die sich immer wünschten, alle mögen immer siegen (was unmöglich ist) oder mit den Waffen in den Händen heldenhaft sterben (was unerwünscht ist). Natürlich, ganz ohne militärischen Konflikt wird die Sache kaum abgehen. Die Junta soll Kiew bis zum Letzten schützen. Und wenn es auch nicht lange sein wird, aber vollkommen kann man eine große Opferzahl und Zerstörungen nicht verhindern — die Straßenkämpfe in einer drei-fünf Millionenstadt — das ist ein zweifelhaftes Vergnügen. Für den rechten Uferbereich des Dneprs wird das Naziregime zulassen, verjagt zu werden. Die Kontrolle über die Hälfte der Ukraine wird ihm gestatten, als der ewige international-rechtliche Splitter im Körper Moskaus und auf seine Kosten zu existieren und dabei auf seine Erhaltung durch den Westen zu hoffen. Die USA werden sich bemühen (und sie bemühen sich schon), die Erde der Ukraine mit Blut reichlicher zu begießen, um die Feindschaft zwischen den Familien, zwischen den Verwandten auf verschiedenen Linien der Front des Bürgerkrieges für lange Zeit anzusiedeln. Sie haben die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben, den kleinen russisch-europäischen Krieg anzuzündeln, wenn es sich mit einem großen schon nicht erweist.

Wenn es nicht gelingen sollte, den totalen Konflikt zu vermeiden, dann werden die russischen Truppen in der Ukraine erscheinen, damit es schneller geht aller Wahrscheinlichkeit nach völlig offen. Aber im Interesse aller und auch Russlands, weil schließlich keiner den Wunsch hat, Millionen ukrainischer Bürger lange aus ihrer Heimat zu vertreiben, muß man versuchen die Verschärfung zu vermeiden, man kann noch mehr Territorien ohne großräumige Kämpfe befreien.

Es beginnt der Moment der Wahrheit, wenn die Ergebnisse der Arbeit „der Friedensstifter“ beginnen sollen von den Territorien aus zu militärischen Siegen anzuwachsen.

Invictus maneo!

Rostislaw Ischtschenko, den Kommentator МИА «Russland heute»

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