Von Slowjansk bis nach Minsk

1411705193_novorussia_map_by_grdgryphonranger-d7ks80623.06.2015  Der dritte Artikel des Zyklus   Übersetzt aus dem russischen: Thomas

hier> 2.& 1. Teil  

Die Periode vom ersten Sturm auf Slowjansk bis zum ersten Minsker Abkommen war nicht nur eine ganz schwere Zeit in den Schicksalen der DVR und der LVR, in dieser Periode wurden auch die Konzeptionen entwickelt, wie die, die ich „Militaristen und Friedensstifter“ genannt habe. Die Wahl beider Termini war nicht zufällig, da beide Benennungen folgerichtig sind. Wenn man nach der Intensität der Medienaktivität geht, dann werden wir sehen, dass die überwiegende Mehrheit der Politiker und der Experten, wenn sie das Wünschenswerte für die Welt formulieren sollen, die Unvermeidlichkeit einer militärischen Lösung der ukrainischen Frage hervorhebt. Das heißt, in der Frage der Einschätzung der Situation gibt es Differenzen.

In Russland fehlen ernsthafte politische Kräfte (die absolut marginalisierte liberale Opposition kann man nicht dafür halten), die nach Frieden um jeden Preis rufen würden. Faktisch besteht der Streit zwischen den „Friedensstiftern“ und den

„Militaristen“ tatsächlich nicht darin, ob man kämpfen muss – es wäre dumm über die Zweckmäßigkeit des Krieges zu streiten – sondern seit langem darin, wie man kämpfen soll. Und ob man die russische Armee in einer frühen Etappe der ukrainischen Krise, für den Sturz der noch nicht sattelfesten Nazidiktatur einsetzen müsste.

„Die Militaristen“ meinen, dass es notwendig ist. Und ich hätte ihnen ohne jeden Einwand zugestimmt, wenn es sich ausschließlich um einen russisch-ukrainischen Konflikt handeln würde. Es ist wirklich ganz widernatürlich zu beobachten, wie bei dir nebenan das Naziregime operiert und sich stabilisiert und schon im voraus erklärt, dass ihr Ziel die Vernichtung deines Landes und deines Volkes ist und Du nichts dabei machst. Für niemanden ist es ein Geheimnis, dass die ukrainischen Behörden nur in den ersten Monaten 2014 so viele Provokationen organisiert haben, dass man vollkommen gesetzlich 10 Kriege erklären konnte. Der Übergang der Krim in die russische Jurisdiktion hat unvermeidlich zu einer Umorganisation des ukrainischen Staates geführt. Die real existierende Ukraine wird die Krim immer behalten und, vom Gesichtspunkt des internationalen Rechtes (und nicht dem der russischen hurra-Patrioten) wird die Frage endgültig auch noch nicht erledigt sein. Folglich muss man – ob man will oder nicht – den ukrainischen Staat zerstören.

Ich kann die unendliche Zahl der Argumente zugunsten des Einfalls noch vom Februar 2014 bringen. Aber warum? Die russische Führung ist nach den in den vergangenen fünfzehn Jahren erreichten Ergebnissen doch etwas klüger (als die hysterischen Blogger) und verfügt über das umfassendere Bild der Geschehnisse, als die Benutzer der informativen Ausflußbehälter, die nicht fähig sind, zu verstehen, dass man „exklusive“ Informationen „aus erster Hand“ als Informator nur dann bekommen kann, wenn man ihn für den Abfluß der Informationen zur Irreführung verwenden soll. Wenn der Wach-Patriot die praktische Unvermeidlichkeit des Einbeziehens Russlands in den heißen Konflikt in einer bestimmten Etappe versteht, dann ist es lächerlich zu meinen, dass man es im Kreml nicht sehen oder die Gefahr unterschätzen würde. Wenn Sie selbst die Arbeit der staatlichen russischen Massenmedien bewerten sollten, so werden Sie sehen, dass sie in den letzten anderthalb Jahren die öffentliche Meinung der am meisten im Februar-März 2014 vertretenen Position umformatiert haben:« Warum sollten wir das nötig haben.

„Die dort in der Ukraine sollten erstmal selbst zurechtkommen», bis zu „wenn es notwendig ist dann werden wir bis nach Paris durchkommen». Einfach so zur Unterhaltung werden solche informativen Kampagnen nicht durchgeführt. So einfach ändert man die Sichtweise auf die USA – vom «furchtbaren Freund» – in die Sichtweise des «lächerlichen Feindes» nicht.

Nichtsdestoweniger sind die Truppen, die noch vor einem halben Jahr eine zunehmend bedrohliche Stellung an der ukrainischen Grenze bezogen hatten, nicht offiziell auf dem Territorium der Ukraine erschienen. Sind nicht erschienen, ungeachtet des Vorhandenseins eines Beschlusses des Rates der Föderation und der in dem Moment legitimen Bitte Janukowytschs. Aber man hat den Beschluß nicht umgesetzt und der Bitte nicht entsprochen. Anstelle der Truppen ist Minsk geschehen. Und das Spiel ist in Verlängerung gegangen. Warum rüstet Russland offenbar zum Krieg aber beginnt ihn dann doch nicht?

Weil nur ihre Engstirnigkeit und ihre Fixierung auf die Lage in der Ukraine die

„Militaristen“ stört zu verstehen, dass es bei dem globalen Vernichtungskrieg zwischen Russland und den USA nicht um Kiew und nicht um den Donbass geht. Der Krieg geht um die Zukunft der Menschheit. Einschließlich um unsere Zukunft. Eben deshalb ist der Konflikt global und systemisch. In diesem Konflikt kämpft die alte, absterbende, unheilbar kranke amerikanische Welt um die Verlängerung der Agonie. Diese Welt kann nicht überleben. Für sie ist der Sieg nur der kurze Aufschub des Todes. Aber noch im Sterben sind sie fähig, mit dem Leben unvereinbare Schäden der neuen Lebenswelt zuzufügen, die sich vor unseren Augen und bei unserer Teilnahme jetzt entwickelt. Damit die neue Welt, in der eine individuelle Hegemonie ähnlich der amerikanischen unmöglich stattfinden kann, sollte Russland aus der Auseinandersetzung mit den USA stark, unversehrt und sogar mit multipliziertem Potential hervor gehen und nicht verbraucht vom Verlauf des Konfliktes.

Nur das Vorhandensein eines starken und maßgeblichen Russlands, dass sich nicht hinter dem Status des individuellen Hegemonen versteckt, aber fähig ist, jedem auf die Finger zu hauen, der versuchen will, sich nach dem Sturz Washingtons des leeren Thrones zu bemächtigen, garantiert, dass die Opfer, die von der Menschheit in diesem letzten Konflikt der alten Ära gebracht wurden auch wirklich nicht vergeblich waren. Wir bekommen die schöne neue Welt und nicht die zweite Ausgabe der Alten. Nur in diesem Fall sind das Blut und die Tränen nicht nur der Kinder des Donbass, sondern auch der Kinder aus Damaskus, der Kinder Bagdads, der Kinder Belgrads nicht umsonst vergossen.

Wenn wir auf die Situation von dieser Position aus schauen, so werden wir entdecken, dass die USA Russland in der Ukraine die klassische Falle vorbereitet haben. Sie brachten in Kiew ein Regime an die Macht, daß nicht einfach russophob ist (Juschtschenko war ein überzeugterer Russophober als Poroschenko), aber absichtlich ein richtig grausames. Sie haben nicht zufällig dem Regime eine Card blanche bezüglich des Odessaer Chatyns (Chatyn ist ein ehemaliges Dorf in Weißrussland. Seine Bevölkerung wurde 1943 von Mitgliedern der deutschen SS ermordet; dabei wurde das Dorf niedergebrannt. d.Ü.) und für die ungesetzlichen Abrechnungen mit den Aktivisten in Dnepropetrowsk, Charkow, Saporoschje, auf die politischen Totschläge in Kiew, die fortlaufenden Verbrechen des «Rechten Sektors» und der übrigen Nazifreiwilligen gegeben. Sie schufen das Bild, in das sich die russische Führung einmischen konnte. Sie war unter dem Druck der öffentlichen russischen Meinung verpflichtet, sich einzumischen. Die Armee sollte sich in die Ukraine bewegen. Wonach Russland wahrscheinlich Vietnam und Tschetschenien in einem Flakon bekommen hätte.

Erstens. Es ist unbedingt richtig, dass die Streitkräfte der Ukraine höchstens fähig waren, einen rein akademischen Widerstand zu leisten, der in höchstens Tagen aber eher Stunden unterdrückt worden wäre. Aber die Nazifreiwilligen und zehntausenden treuherzigen Armleuchter, die die Heimat vor der «russischen Aggression im Donbass“ jetzt schützen müssen, oder die Freiwilligen, die für die Armee alles – vom Essen bis zur Uniform und sogar bis zu den Waffen sammeln, auch Munition und sogar ausgemusterte Technik stehen auf ihren Zetteln, oder die den informativen Krieg in den Massenmedien und den sozialen Netzen führen, die würden nirgendwo hingetan. Einige davon würden einen Partisanenkrieg führen, Andere würden sich mit Sabotage beschäftigen, noch Andere würden die neue Macht einfach leise hassen.

Russland hätte das riesige zerstörte Territorium, mit vierzig Millionen bettelarmen Menschen bekommen, von denen bestimmt zwanzig Millionen feindlich gesinnt wären, oder wenigstens nicht loyal. Und das hätte die russischen Ressourcen gebunden, die nicht wie Gummi dehnbar sind.

Zweitens. Es würde so die Konsolidierung Europas auf dem antirussischen Bahnsteig der Amerikaner schneller gelingen durchzuführen und entschloßener Ziele zu erreichen. Jenen politischen Kräften, die jetzt mit antirussischen Positionen auftreten hätte es die Sprache verschlagen, wenn sie bemerkt hätten, dass der tückische und bis zu den Zähnen ausgerüstete graubraune Bär den kleinen demokratischen gelb-blauen Hasen angegriffen hat. Und hier ist keiner sentimental. Europa soll sich und seine Werte schützen. Es war eine vollkommen reale europäische Ausgabe des Neo-Mccarthyismus (McCarthy-Ära oder McCarthyismus, benannt nach dem amerikanischen Senator Joseph McCarthy, bezeichnet einen Zeitabschnitt der jüngeren Geschichte der USA in der Anfangsphase des Kalten Krieges. d.Ü.)

Die Sanktionen wären sofort und in vollem Umfang eingeführt worden, hätten bei der nicht vorbereiteten Wirtschaft sehr schmerzhaft durchgeschlagen. In der Westukraine, hätte man mit Hilfe der europäischen „Urlauber“, der amerikanischen Ausbilder, der NATO-Waffen und der übrigen kleinen Freuden versucht, ein Analogon zum Donbass für Russland zu schaffen – einen hübschen erschöpfenden kleinen Krieg zu schaffen, in dem es unmöglich ist, ein abschließendes Ergebnis zu erreichen und der durchaus Jahrzehnte dauern kann.

Die Armee wäre von der Notwendigkeit gebunden, die okkupierte Ukraine zu kontrollieren und den Widerstand der Bandera-Verbrecher zu unterdrücken, die Wirtschaft hätte sich als in der Krise erwiesen. Das Volk würde von der Führung Erklärungen fordern, „womit haben wir so ein Glück verdient?», die Gesellschaft würde in einen fatalen Strudel der Destabilisierung rutschen. Die „Militaristen“ hätten ihre Hände in Unschuld gewaschen, würden den Kreml für die Inkompetenz kritisieren und sich mit den Liberalen solidarisieren und sie würden erzählen, dass sie solche Katastrophe niemals zugelassen hätten.

Drittens. Die Verbündeten Russlands wie Zollunion, Eurasische Wirtschaftsunion, BRICS, die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sowie die übrigen arbeitenden als auch entstehenden Vereinigungen, die sich misstrauisch gegenüber der Führung Moskaus verhalten, sie wegen des Versuchs verdächtigen, «die UdSSR zu erneuern» oder, die Stelle der USA einnehmen zu wollen und dann zu beginnen, der Welt seinen Willen zu diktieren….. in Mengen würden sie aus allen gemeinsamen Projekten losgerannt sein. Jedermann würde fürchten, dass man, wenn sie bereit sind die Truppen in die Ukraine zu schicken, so ist es und zu ihnen möglich, und jemand hätte, wenn er klüger ist, einfach berücksichtigt, dass man sich mit dem Land, dass nicht in der Lage ist, die möglichen Folgen seiner Handlungen zu bedenken, besser nicht verbindet.

Anstelle des ganzen Theaters ist Minsk geschehen.

Was hat nun eigentlich Russland bekommen?

Erstens. Wurden in der Periode zwischen Slowjansk und Minsk, in der Führung des Aufstands die russischen Bürger, die eigene außen- und innenpolitische Ziele verfolgten oder einfach am Krieg teilnahmen weil sie wie Portos waren, „ich raufe mich weil ich mich raufe», die wurden mit kontrollierten Einheimischen ersetzt. Die Führungen der DVR/LVR wurden solide. Das konnte man der Welt vorlegen ohne sich vor der Frage fürchten zu müssen: «Und warum leiten den Volksaufstand in der Ukraine gänzlich nur russische Staatsbürger?» Eine unkontrollierte Machnowschtschina (Die Machnowschtschina oder Machno-Bewegung war eine anarchistische Bauern- und Partisanenbewegung, die zwischen 1917 und 1922 während des russischen Bürgerkrieges in der Ukraine aktiv war. d.Ü.), von der du nicht weißt was du zu erwarten hast, fing an, in den normalen planmäßigen Strukturen allmählich Raum zu gewinnen. „Die Feldkommandeure“, die ohne Hinterland kämpften – diese überflüssige Last wurde ihnen abgenommen – haben begonnen, sich in Offiziere der Armee der DVR/LVR zu verwandeln.

Man fing nach dem ersten Minsk und noch vor dem zweitem an, die Wirtschaft in Gang zu bringen und ein gewöhnliches bürgerliches Steuersystem aufzubauen. Ohne diese subtilen Veränderungen würden die Republiken überhaupt nicht widerstehen können. Das Banditentum, dass in Donezk Wagen und Wohnungen geklaut hatte, fing an, abgeschafft zu werden. Man hat begonnen, das Finanzsystem aufzubauen und die Wirtschaft der Republiken neu entstehen zu lassen. Im Allgemeinen fing man an, die Strukturen, die ein normales Leben gewährleisten (wenn auch und unter dem Beschuss) entstehen zu lassen. Ohne diese unmerklichen, aber kritisch wichtigen Veränderungen der Republiken hätten sie nicht widerstanden. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung könnten die «Wildgänse», selbst wenn sie zum Teil russische Patrioten waren, nicht standhalten und die Bevölkerung stellte sie sehr schnell ein. Wer nur zu seinem Vergnügen oder für eine abstruse Idee kämpfen wollte, auf jenem Territorium, auf dem diese Bevölkerung wohnt und dem es dabei völlig egal ist was da passiert, weil er da nicht wohnt, der wird nicht lange auf Kosten dieser Bevölkerung dort wohnen können.

Zweitens hat im Verlauf des sogenannten «Minsker Prozesses» Russland Kiew gezwungen (sowohl mit der Knarre als auch mittels des politisch nicht erstklassigen Kutschmas), sich zu Verhandlungen mit den Aufständischen an einen Tisch zu setzen, hat sie damit de facto als eine Seite der Verhandlungen anerkannt. In der zweiten Etappe, im Verlauf von Minsk 2, sind hinter diesem Tisch Merkel und Hollande erschienen. Moskau hat danach gestrebt, was schon zu der Zeit der Entwicklung des Assoziierungsabkommens gefordert wurde – einen direkten Dialog mit Europa zu den Problemen der Ukraine zu ermöglichen. Jetzt, nach dem Erscheinen der Gruppe Karassin-Nuland, ist auch ein Platz für den direkten Dialog mit den USA geschaffen worden. Es geschah das, was Washington sich anderthalb Jahre lang geweigert hatte anzuerkennen – die USA bekannten, dass sie einbezogen sind in die ukrainische Krise (früher galt als die offizielle Version der Kampf des ukrainischen Volkes mit dem korrumpierten Regime). Jetzt haften Washington und Brüssel für die Entwicklung der Situation in der Ukraine sowohl politisch, als auch juristisch. Sich den Anschein zu geben, dass Russland den Kleinen kränkt und die USA gingen als Größere einfach daran vorbei, ist jetzt verboten. Poroschenko, der bisher direkte Verhandlungen mit Putin beanspruchte, wechselt jetzt endgültig in den Vorraum zu Sachartschenko und Plotnizki um darauf zu warten, was die gegenwärtigen Seiten des Konfliktes entscheiden werden.

Drittens, solange wie der Krieg dauert und die Verhandlungen in Minsk sich fortsetzen, wächst in der Ukraine die Enttäuschung über die eigenen Politiker, die das Dolce Vita versprachen und den Krieg schenkten. Und weder Europa noch die USA haben geholfen, haben sie nicht gerettet. Dieser Prozess geht sehr langsam und mühselig, aber er geht. Ebenso wie auch der Prozess der Steigerung der inneren Widersprüche innerhalb des Regimes weitergeht. Die Spinnen in der Bank beginnen, einander aufzufressen. Unter anderem bedeutet das, dass wenn die Ukraine vom Naziregime befreit sein wird, die Abgrenzung von Russlands nur noch von marginale Gruppen der Bevölkerung (überzeugte Nazis, die überzeugte liberale Intelligenz, der Teil der Bürokratie, der die Arbeit mit dem Verschwinden des Staates – zum Beispiel, die Mitarbeiter des Außenministeriums oder SBU verliert, die Ideologen der Neobanderowschtschina und die Schöpfer der neuen ukrainischen „Geschichte“) erhalten bleibt. Die Übrigen, die von der erzwungenen europäischen Wahl enttäuscht wurden, werden sich zur Seite Moskaus wenden – man muss ja irgendwie leben.

Im Idealfall, im Falle der hundertprozentigen Realisierung, ließe der Plan „der Friedensstifter“ zu, alle ohne Opfer und ohne Kampf zu bekommen, nur eben ein bisschen später. Die föderative Ukraine mit ihrer neuen Verfassung und den breiten Rechten der Regionen hätte nicht nur den Übergang der Krim zu Russland formell anerkannt (in der neuen Verfassung der Krim versteht man sich schon nicht mehr als ukrainisches Territorium), sondern auch auf dem Evolutionsweg in die Zoll- und Wirtschaftsunion ruhig integriert würde, was schon jetzt gar nicht mehr erwähnt wurde. Einfach weil man keinen Platz hatte, wo man sie hätte hintun sollen. Es äußerten weder die USA noch die EU, dass sie die Ukraine behalten wollen.

Werden wir diesen Plan realisieren können? Nein. Kein idealer Plan wird jemals in der Politik vollständig realisiert. Selbst wenn nur 50 % realisiert werden ist das schon gut. Die USA waren im Begriff, Russland in den Konflikt hineinzuziehen und, für sie ein Vietnam in der Ukraine zu schaffen. Deshalb hat sich Kiew ganz und gar nicht gesprächsbereit erwiesen und hat den Krieg im Donbass sogar früher begonnen als es die volle Kontrolle über die Streitkräfte hatte. Im Ergebnis dessen wurde Minsk der Platz für die Manöver Moskaus und Washingtons um die Frage wer wem doch noch sein Vietnam in der Ukraine schafft und wer in Augen der weltweiten Gesellschaft als Aggressor sich erweisen wird. Bisher hat Russland die bessere Manövrierfähigkeit bewiesen.

Jedoch jedes x-beliebige Manöver geht irgendwann zu Ende. In den letzten Wochen hat sich die einzigartige Situation entwickelt, dass die Obama-Administration Interesse an der friedlichen Regelung der Krise gezeigt hat. Es ist schon klar. Von der Ukraine muss man bis zum 2016 weggehen und dabei darf man das Gesicht nicht verlieren, sonst brauchen die Demokraten bei der Wahl gar nicht erst anzutreten. Die Republikaner werden sie dann für ihre «ungenügende Entschlossenheit» brechen. Das Kiewer Regime ist, ungeachtet aller Schreie der russischen Wach-Patrioten über die wachsende Kraft der ukrainischen Armee, objektiv so schwächt, wie jedes beliebige Regime geschwächt sein würde, das einen Bürgerkrieg in einem zerstörten Land führt. Das Alte Europa, wenn es auch nicht unter dem amerikanischen Regenschirm hervorgekommen ist, hat nachgewiesenermaßen kein Vergnügen an Verlusten, die entstehen, wenn es notwendigerweise die «atlantische Solidarität» demonstrieren soll. Die EU will diese Seite umblättern.

Im Allgemeinen scheint die Situation in der Ukraine und um sie herum unter der vollen Kontrolle der USA zu stehen. Und Obama versucht jetzt, auf eine Kompromissregelung zu gehen, um die Möglichkeit des Spieles auf dem ukrainischen Platz für die Zukunft aufzusparen. Wahrscheinlich kann es sein, dass die russische Führung ihm darin entgegenkommt. Dennoch spielt der Kreml immer besser als das Weiße Haus und die Frage des Einbaues der Ukraine in die russischen Integrationsprojekte trägt heute schon so einen prinzipiellen Charakter, wie noch vor ein Paar Jahren nicht. Man könnte eigentlich ganz ruhig den natürlichen Lauf der Dinge abwarten, dennoch gibt es keinen Platz, wo Kiew hingetan werden könnte – in der EU wird man sie nicht nehmen, Geld werden sie ihr nicht geben und die Wirtschaft ist schon zerstört. Es bleibt im Grunde nur übrig, sich vor Russland zu demütigen. Sie wird sie ganz einfach retten, weil sie eine 40-Millionen-Elend und Instabilität-Zone an ihren Grenzen echt nicht nötig hat. Umso mehr, weil die sich nicht von den russischen Bürgern unterscheidenden Bürger der Ukraine schnell beginnen würden, diese Instabilität nach Russland zu übertragen.

Ich bin absolut überzeugt, dass die Variante der friedlichen Kompromissregelung, wenn sie auch für die USA vorteilhaft ist und den langfristigen Interessen Russlands nicht widerspricht, trotzdem nicht zustande kommen wird. In Washington sind „die Falken“ viel zu stark. Beide Parteien gehen auf die Wahlen unter der Losung der Verschärfung der antirussischen Politik zu. Die Anerkennung, sogar wenn es nur indirekt erfolgt, des Misserfolgs in der Ukraine (und das Einverständnis der USA zu dem Kompromiss eben – gilt als die Anerkennung des Misserfolgs) wird sehr viele glänzende Karrieren in der CIA und im Statedepartament verderben. Die Kiewer Politiker sind nicht in der Lage, die propagandistische Platte zu ersetzen, auf den Krieg zu verzichten, sich mit dem Donbass zu vereinbaren. Damit werden sie zu Feinden nicht nur für die Antifaschisten, sondern auch für die pronazistischen Teile der ukrainischen Gesellschaft. Weil, wofür starben und kämpften sie denn, wenn sie sich später doch zu den Bedingungen vereinbaren, die ihnen von vornherein angeboten wurde? Die ideologisierten, überzeugten Nazis aus den Freiwilligenbataillonen, wie auch der motivierte Teil der Armee, für den der Krieg Grundsatzfrage wurde, könnten den „Verrat“ niemals verzeihen. Es ist eine Sache wenn man kapitulieren muß weil man müde vom Kampf ist und eine entmutigte Armee hat. Aber es ist eine völlig andere Sache, wenn die Offiziere meinen, dass die Politiker ihnen den Sieg „gestohlen“ haben.

Dass heißt, alle sind überzeugt davon, dass ungeachtet einiger Stille infolge von Gesprächen, der große Krieg in der Ukraine und aller Wahrscheinlichkeit noch davor die Provokation unvermeidlich sind, die die Amerikaner schon als Initialzündung ausgearbeitet haben sollten.

Wenn sie auch die Möglichkeit nicht haben werden, den idealen friedlichen Plan zu realisieren, haben doch die „Friedensstifter“ das schöne Ergebnis erreicht, dass vom Gesichtspunkt der Startbedingungen für die Militärkampagne nichtsdestoweniger deutliche Verbesserungen erzielt wurden. Und Russland wurde für die Mehrheit der Länder des Planeten kein „Aggressor“. Die USA und die EU haben die Einbeziehung in die ukrainische Krise offiziell bestätigt. Die Situation in der Ukraine ist für den Westen ein Patt und ohne Russland kann er sie nicht lösen, aber Russland kann sich gerade auch Zeit lassen. Die internationale Autorität der russischen Führung ist ungeachtet dessen, was die Wach-Patrioten erzählen, wesentlich gewachsen. Sogar Ägypten hat sich entschieden, die Übung der Flotte im Mittelmeer zusammen mit der Russischen Marine durchzuführen. Ägypten, daß sich seit Mitte der 70iger Jahre unter der vollen Kontrolle der USA befand. Das ist schon nicht einfach nur eine Geste. Es ist die Glocke, die nach dem Einfluss Washingtons im Nahen Osten ruft.

Und wer fürchtet, dass wegen „der Verspätung“ des Einmarschs die Nazipropaganda in Kiew Millionen Zombies schaffen wird, die später noch Generationen lang Russland hassen werden — da will ich nur daran erinnern, dass die Mehrheit der Leute, die jetzt gegen die russischen Menschen im Donbass kämpfen, die sich als moderne russophobe Bürger der Ukraine erwiesen, unter den Bedingungen der kommunistischen Propaganda aufgewachsen sind und das ununterbrochene 74 Jahre lang. Allerdings wurden sie nicht darin unterrichtet womit sie sich jetzt beschäftigen.

Rostislaw Ischtschenko, der Kommentator MIA «Russland heute»

Invictus maneo!

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