«Die Surkowsche Propaganda»

strelkow15.06.2015 Der zweite Artikel des Zyklus

( Teil 1 hier ) 

Übersetzt aus dem russischen: Thomas

Eigentlich sollte der zweite Artikel „Von Slowjansk nach Minsk» heißen. Jetzt wird so erst der dritte heißen, da das Material im ersten Artikel „Militaristen gegen die Friedensstifter?“ eine ungesunde Agiotage infolge meiner ganz persönlichen Beziehung zu Strelkow hervorgerufen hat. Es war zwar kein ausreichender Anlass, um dem Thema einen gesonderten Artikel zu widmen, doch für die weitere Betrachtung der Gegensätzlichkeit der Konzeptionen von der Lösung der Situation im Donbass ist es nicht erforderlich, Strelkow überhaupt zu erwähnen, und ich finge nicht an, zu ihm zurückzukehren. Ich habe es nicht gern, über Menschen zu schreiben, die mir nicht gefallen. Schließlich ist jeder beliebige Text über Jemanden auch überflüssige PR für ihn.

Aber wenn mich in den zwei Tagen nach Publikation des Textes des ersten Artikels drei Bekannte anrufen, Top-Blogger noch dazu und einstimmig sagen, dass sie die Strelkow-Rhetorik beunruhigt und sie es außerdem als besonders beunruhigend empfinden, dass er ein immer noch genügend hohes Unterstützungsratimg in der patriotischen Öffentlichkeit hat (wenn es auch im letzten Jahr um mehr als das Doppelte gesunken ist). Also habe ich noch mal darüber nachgedacht was es kostet, erneut dieses Thema anzusprechen. Kostet gerade deshalb, weil ich die Positionen der Anrufer nur ganz zufällig erkannt habe und wenn ich den vorhergehenden Artikel nicht geschrieben hätte, ich würde gar nicht wissen, dass Strelkow sie beunruhigt. Und das bedeutet, dass die Menschen sich einfach fürchten, ihre Beziehungen zur handelnden Person auszusprechen. Und das wiederum heißt, wenn sie darüber nichts schreiben – weder gutes noch schlechtes – umgehen sie das Thema einfach. Sie fürchten, dass ihnen Surkow Propaganda (in der Sprache der Blogger ein Ausdruck für Material, dass von Kreml-Technologen zur Manipulation der öffentlichen Meinung herausgegeben wird) für Surkow Geld (Schmiergeld) vorgeworfen wird..

Also ich fürchte das nicht. Der ständige hysterische Anfall im informativen Raum ist einer der Gründe für meine negative Beziehung zu Strelkow und der Gruppe der ihn bedienenden Propagandisten. Wenn die Diskussion mit Opponenten immer auf unbegründete Beschuldigungen und hysterische Verleumdungen zurückgeführt wird, sagt es etwas über den maximalen Unprofessionalismus der Mannschaft aus, die sich mit der informativen Versorgung beschäftigt. Der hysterische Anfall und die Anschuldigungen nehmen immer dann ihren Lauf, auch schon früher und immer nur dann, wenn andere Argumente für den Schutz der Position völlig fehlen.

Inzwischen arbeitet in der Mannschaft Strelkows ein ausgezeichneter Spezialinformationsfachmann namens Boris Roschin, dessen Potential aber tatsächlich nicht genutzt wird, den Ton geben andere an. Und so hat Strelkow, der mittlerweile begann wie eine Ikone der patriotischen Opposition der geltenden Macht aufzutreten, die Hälfte der Unterstützung des zweckbestimmten Auditoriums innerhalb eines Jahres verloren, wenn auch sein Rating bisher immer noch ziemlich hoch war, aber über das absolute Dominieren ist es doch schon deutlich hinaus. Ich bin übrigens überzeugt, dass die Führer wenn sie begonnen hätten, nicht auf Strelkow zu hören, sondern auf Roschin, dann könnten sie eine stabile Tendenz eines steigenden Ratings beobachten und würden die schon lächerlichen Surkow-Hysterie-Anfälle (die sich darauf gründen, dass innerhalb eines Jahres immer noch keiner den Donbass angeschlossen hat, und im Gegensatz dazu sich die Republiken immer weiter festigen) durch gute und bewiesene propagandistische Arbeit ersetzen.

teil2 innenfoto

Übrigens ist die Tatsache des Angriffes auf Surkow, die Strelkow organisiert hat und den seine Mannschaft immer weiter entfaltet, für mich auch ein negativer Marker. Ich könnte sofort sagen, wen ich wählen würde, wenn ich mir einen von den Beiden zur Zusammenarbeit aussuchen sollte. Mit Strelkow oder mit Surkow zu arbeiten, ich hätte den Letzten gewählt. Nicht wegen des Geldes. Geld für Arbeit erhält man überall. Auch die Menschen, die für Strelkow arbeiten, ernährt nicht der Heilige Geist. Um so mehr, da in der Mannschaft die Persönlichkeiten aktiv leuchten, sie schon am Morgen die Augen nicht kostenlos öffnen können und sich dabei an die hohen Einkommen gewöhnt haben.

Der Grund ist folgender: In meinem Gedächtnis habe ich drei (kann sein es waren mehr, aber ich kann mich nicht an mehr erinnern) wirklich wichtige Probleme für das Land, Probleme, die Putin Surkow auftrug zu lösen. Das war die Unterdrückung der Aktivitäten der Weißband-Opposition in den Jahren 2005-2013, als sie noch eine reale Gefahr darstellte und nicht wie heute ein Auflauf komischer Außenseiter war, den man nur aus Faulheit nicht zertritt. Übrigens trugen auch heute einige der „Patrioten“ ohne Beschränkung diese weißen Bänder. Die nächste Aufgabe war Abchasien, wo man einen inneren Konflikt der Eliten schnell erledigen musste, damit die USA es nicht schafften dort hineinzuklettern und mit den lokalen Widersprüchen zu spielen. Sofort danach kam dann die Ukraine. Wobei Surkow mit der Arbeit in der Ukraine erst beauftragt wurde, als die Krise schon begonnen hatte, sich in einen Bürgerkrieg zu entwickeln.

Aus der Tatsache, dass Putin ihm immer die Regelung der Krisenprobleme überträgt, ziehe ich zwei Schlussfolgerungen:

– der Präsident vertraut diesem Menschen;

– die Aufgaben werden qualitativ erfüllt, dass heißt professionell, sonst hätte er ihn ersetzt.

Noch eine Beobachtung. Die Termini „Surkow Propaganda“ und das «Geld Surkows» (die Strelkow und seine Leute jetzt gerade frohgemut und aktiv nutzen) sind vor einigen Jahren an jenem Tag geboren worden, als das russische Fernsehen die Top-Oppositionellen eingefangen hatte, die zur Instruktion in die Botschaft der USA gingen. Als sie dorthin kamen, wussten sie noch nichts über „Surkow Propaganda», aber als sie hinausgingen waren sie im Bilde. Das heißt, sie hatten es gerade dort gelernt. Unter Berücksichtigung dessen, dass die USA unser Feind ist und Ihnen der Terminus „Surkow Propaganda“ nicht gefällt, bedeutet es nach meinem Verständnis, dass Surkow richtig arbeitet.

Ich kenne Surkow nicht persönlich, aber seine politische Tätigkeit (wenigstens jener Teil, der mir sichtbar ist) läßt mich nicht an Idiosynchrasie denken. Schuldig hält man ihn gewisser Geheimabsichten, die sich aber nur auf dem Niveau „davon wissen alle» und „Strelkow hat gesagt» bewegen.

Wer ist denn eigentlich dieser Strelkow, dem ich aus irgendeinem Grunde auf`s Wort glauben soll? Das ist keine müßige Frage. Noch im April 2014 verwirrte mich dieser Mensch öffentlich, (unter den Fernsehkameras) als er als „Oberst des FSB» vorgestellt wurde und sich mit der Organisation eines bewaffneten Aufstandes in der Ukraine beschäftigte. Offiziere im Sondereinsatz, die besondere Aufgabe auf fremdem Territorium erfüllen, dürfen ihre Identität gar nicht offenbaren. Die höflichen Menschen auf der Krim haben bei der Frage «Wer sind Sie?», nur höflich gelächelt, und im äußersten Fall sagten sie, dass sie lokale Landwehrmänner sind, die die Waffen und die Ausrüstungen im nächsten Geschäft für „Jagd und der Fischfang» gekauft haben. Und dabei waren es einfache Soldaten und nicht ein «Oberst vom FSB».

Die ausführliche Erzählung davon, wie er und noch 52 Menschen entschieden „haben“, was im Donbass wie auch auf der Krim werden wird und wie sie sich dann dorthin begeben haben, kann man auf Dutzenden Webseiten im Internet finden. Ich will nur darauf aufmerksam machen – der Mensch, der sich als «Oberst vom FSB“ vorgestellt hat, erklärte deutlich, dass er auf dem Territorium eines fremden Staates angekommen ist, dort einen bewaffneten Aufstand organisiert und sogar dann damit begonnen hat, die Bürger des anderen Staates „für Plünderungen“ zu erschießen. Dabei behauptet er (« der orthodoxe Monarchist »), dass die Tötung der Menschen, auf der Basis der „Verordnung des Verteidigungsausschusses vom 22. Juni 1941 Über die Bildung der Militärgerichtshöfe» erfolgte. Das heißt, er verweist auf einen seit langem nicht mehr geltenden Akt von vor einem Vierteljahrhundert, als der kommunistische Staat (die UdSSR) verlorenging, den er aber selbst, als

«orthodoxer Monarchist» und Bewunderer der weißen Bewegung, legitim gar nicht anerkennen kann.

Und er verhöhnt dabei keinen, er versteht einfach nicht, was er da sagt. Eigentlich ist es eine Selbstanzeige und sofort ab mit ihm nach Den Haag.

Deshalb habe ich mich auch nicht gewundert, als ich in Wikipedia die Informationen über den wesentlich bescheideneren Titel gesehen habe. Wie ich oben schon sagte, wunderte mich nicht so sehr sein junges Alter und dass er schon auf Rente ist, es ist auch nicht der Dienstgrad des Oberst vom FSB, sondern es ist eher das Verhalten, dass dem Verhalten eines Offiziers im Sonderdienst so gar nicht entspricht.

Weiter im Text. Der Oberst hat keine Kollegen, die von den Erinnerungen an seine glänzende Karriere hätten Mitteilung machen können. Ich denke, die Journalisten suchten. Haben sie denn nichts gefunden? Und man muss nicht denken, dass alle Kollegen vom FSB geheim gehalten wurden. Die einzige Bestätigung seines Dienstes im zentralen Apparat des FSB war das Interview des „Generals Wiktor Kasanzew“, dass auch äußerst verdächtig war, ein schlecht gemachter Fake eben.

Der Autor bemerkt im Interview ganz bescheiden, dass Kasanzew nicht der aktuelle Familienname ist, er aber so gegenwärtig bekannt ist. Und was haben sie zu verbergen? Im Interview so viele Einzelheiten, dass der General gar nichts weiter erklären muß. Die Fachkräfte des FSB werden augenblicklich aufklären, wer die entsprechende Verwaltung in der entsprechenden Zeit leitete. Außerdem ist für die Glaubwürdigkeit eine Fotografie irgendeines Menschen aufgestellt worden und man sagte, dass das auf dem Foto der General in seiner frühen Jugend in Afghanistan ist. Warum kann man denn das Foto aufstellen aber den Familiennamen darf man nicht nennen? Dabei wurde als Pseudonym der Familienname des wirklich populären Generals Wiktor Kasanzew aus den Zeiten des Tschetschenenkrieges ausgewählt.

Also weiter, die Erzählung über die Arbeit Strelkows beim FSB ist „Santa Barbara“ für die exaltierte Hausfrau. Irgendwelche zwei Obristen vom FSB, die auf den potentiellen monarchistischen Terroristen folgen (von ihm beschäftigt zu werden würde besser klingen) finden den Intellektuellen Strelkow vor, der aber so klug ist, dass er auf der Arbeit die Gesetze ernst nimmt. Der nächste Bruch in den Daten: in verschiedenen Versionen von Strelkows Biografien hat er beim FSB den Dienst in 1993 oder in 1998 begonnen, und ausgerechnet der „General Kasanzew“ erinnert sich, dass es im Jahr 1995 war. Dabei arbeitete Strelkow in den Jahren 1998-2000 freiberuflich bei der Zeitung „Sawtra“ und im Jahr 2011 arbeitet er als außerplanmäßiger Korrespondent der Agentur ANNA News. Eine ziemlich seltsame Beschäftigung für einen erfolgreich Karriere machenden Offizier vom FSB.

Natürlich kann „Wikipedia“ jeder bearbeiten und man kann sich irren. Es kann aber auch Strelkow mit seiner Mannschaft „Wikipedia“ verbessern. Außerdem, ab jenem Moment, als Strelkow eine öffentliche Figur wurde, sollte seine offizielle bis zum letzten Detail geprüfte Biografie von seiner Mannschaft vorbereitet und selbst mit freiem Zugang ins Internet gestellt sein. Sollte „Wikipedia“ einen Fehler gemacht haben, dann muss man ihn korrigieren. Die Kollegen (selbst wenn sie schon im Ruhestand sind) müssten Interviews in Chargen geben. Die Fotografien in Uniform und mit den Kollegen aus der Verwaltung sollten veröffentlicht werden. Oder denkt etwa jemand, dass sich die Offiziere des FSB nicht zur Erinnerung fotografieren?

Aber es gibt nichts. Die trübe Biografie eines Menschen, der an einigen fremden Kriegen teilnahm, einschließlich dem jugoslawischen, irgendwo ähnlich einem Dienenden. Und wenn es der herankommende Krieg nicht war, dann lenkte er sich mit seiner Rekonstruktion von seinen trüben Gedanken ab. Und dazu war er noch äußerst ungesellig. Er ist mit der Mehrheit seiner Kollegen und den Kampfgenossen im Donbass völlig zerstritten. Sogar mit dem langjährigen Freund und Gevatter Alexander Borodaj.

Bei den Menschen allgemein und bei den Politikern im speziellen mag ich mangelnden Professionalismus und Verlogenheit überhaupt nicht. Wenn diese schwerverständliche Persönlichkeit mit ihrer trüben Biografie, die irgendwo entstanden ist, zunächst den USA und Kiew die Beweise des «russischen Einfalls» liefert («der Oberst vom FSB», organisiert den Widerstand), und dann widmet er seine ganze politische Tätigkeit den unbegründeten Angriffen auf den Beamten, der die ukrainische Richtung der russischen Politik betreut (tatsächlich aber, obwohl er es nicht ausdrücklich nennt, den Kreml, Putin und Putins Innenpolitik des nationalen Ausgleichs angreift, sowie wenn auch vorsichtig, aber faktisch auch die äußerst erfolgreiche Außenpolitik Russlands) dann entsteht bei mir die Frage, ob so eine Tätigkeit den russischen Interessen entspricht? Und selbst wenn sich der hysterische Antikremlanfall unter heuchlerischen Seufzern über die «umkommende Bevölkerung des Donbass» versteckt, ist der Mensch, der da sagte: «Den Auslöser des Krieges habe ich geschaffen“, nicht berechtigt, über die Opfer des darauf hin begonnenen Krieges zu seufzen.

Das ist genau das was die Amerikaner wollten – Russland in den Konflikt hineinzuziehen. Beweise ihrer Aggression zu bekommen. Er, der «Oberst vom FSB», der „auf Befehl Putins“ den Krieg begonnen hat. Es blieb nur noch, selbst Truppen in die Ukraine zu schicken.

Wir wissen nicht, ob Moskau von vornherein beabsichtigte, in die Ukraine die Truppen zu schicken. Es gab zumindest eine demonstrative Vorbereitung. Aber reale Varianten gibt es nur zwei:

1. Es gab die Pläne zum Einmarsch der Truppen, aber man hat sich entschieden, unter dem Druck der Umstände (ein außenpolitischer, ökonomischer und militärischer Komplex) zu verzichten. In diesem Fall konnten die Handlungen Strelkows, die für Russland den Faktor der Unbestimmtheit schufen (es ist unverständlich wer, was und auch warum unternommen hat) eines von vielen Argumenten gegen die Einführung der Truppen (kein wesentliches, aber immerhin) werden.

2. Die Demonstration der Bereitschaft zur Einführung der Truppen war von vornherein ein Bluff. Diese Variante scheint mir wahrscheinlicher, da Putin sowieso niemals das macht, was man von ihm erwartet. Auf der Krim erwartete niemand die höflichen Menschen und sie sind gekommen. Danach waren alle sicher, dass die russische Armee im Donbass von Tag zu Tag erscheinen wird. Offiziell gibt es sie dort bis jetzt noch nicht. Falls es ein Bluff war und Russland hat sich entschieden, die Ukraine ohne Krieg zu gewinnen, dann haben die Handlungen Strelkows die Führung mit dem Lauf gezwungen, die Pläne zu korrigieren.

In jeder beliebigen Variante hat Strelkow mit seinen Handlungen der Führung des Landes nicht geholfen, ihre Pläne zu realisieren. Und übrigens, es ist gesetzmäßig, dass die Führung berechtigt ist, Strelkow zu fragen, warum er es gemacht hat (jetzt ist es politisch nicht sinnvoll, ihn zum Opfer zu machen), er selbst ist aber nicht verpflichtet, von sich aus zu berichten.

Und wieder wuchs die Hilfe Russlands an und wurde mehr öffentlich, besonders nachdem die Führung der Republiken aus den Händen russischer Bürger in die Hände von lokalen Persönlichkeiten überging. Weil es ortsansässige Personen waren – hießen sie die Aufständischen, und wenn der „Hauptaufständische“ – «der Oberst von FSB» ist, dann ist er nach internationalen Normen ein Diversant. Und das Land, dessen Namen er führt, sollte auf ihn verzichten, oder die Verantwortung für die provozierte Aggression übernehmen. Sowohl das eine wie auch das andere wäre für Russland schlecht. Und der „Oberst“ rechnet es sich als Verdienst an, dass er als er gebeten wurde, den Donbass zu verlassen, sich nicht stark dagegen verwahrte sondern sich faktisch sofort überreden ließ. Diese Geschichte mit der Abberufung Strelkows ist ein Zeugnis des Humanismus der russischen Macht. Die Amerikaner in solcher Situation hätten einen Killer geschickt (nicht wenige kommen an der Front um) oder hätten ihn festgesetzt wie General Noriega für seine Drogenpflanzungen, und Russland redet ihm gut zu abzufahren, sich doch mal zu erholen.

Parallel entstand aus dem Durcheinander der Landwehr die Armee, und die Macht der Feldkommandeure wurde durch eine regelrechte Verwaltung ersetzt. Und das ist nicht unwesentlich, da man von «Volkshelden» durchaus in Begeisterung geraten kann, wenn man irgendwo kämpft, und man vorher irgendwo in Chabarowsk, Moskau oder Brjansk unter gewöhnlicher und gewohnheitsmäßiger Verwaltung gelebt hat. Und es ist ein zweifelhaftes Vergnügen unter der Herrschaft von Feldkommandeuren zu leben. Er verwaltet nicht nach Gesetz sondern nach Gerechtigkeit. Und die Gerechtigkeit ist bei allen verschieden. Er beschäftigt sich mit dem Krieg und mit der Zivilbevölkerung (wenn sie nicht fähig ist, seine Armee zu füttern, und fordert im Gegenteil mangelnde Ressourcen abzuknapsen für seinen eigenen Lebensunterhalt) – mit sinnlosem Ballast eben.

Das heißt, hier ist die deutliche Position Russlands sichtbar, die darauf gerichtet ist, dass die Macht in der DVR/LVR in die Hände der lokalen Führer übergegangen ist, damit die Ordnung in der Verwaltung und der Aufbau der Streitkräfte gesichert war, damit anstelle des Machnowismus eine normale Lokalbehörde erschienen ist, mit der man einschließlich auf internationalem Niveau arbeiten kann. Und von der Erfüllung dieser Forderungen hing schließlich auch ab, wie die Hilfe dosiert war und sie wurde je nach der Loyalität und der Lenkbarkeit dieses oder jenes Kommandeurs umverteilt. Es ist normal, wenn Jemand Hilfe vom Land bekommt, dann sollte er auch die Interessen des Landes berücksichtigen. Die Lenkbarkeit ist keine Todessünde, aber eine Errungenschaft, die es zulässt, Kriegsoperationen auf einer hohen Stufe der Realität zu planen.

Schlußfolgerungen:

1. Ich meine nicht, dass den Krieg nur Strelkow begonnen hat (bestimmt nicht nur er, aber seine Rolle war wesentlich).

2. Ich meine nicht, dass Strelkow Putin dabei gestört hat, die Truppen zu führen, aber er hat einen Faktor der Unbestimmtheit geschaffen und seine Handlungen in Donbass trugen den Charakter der Provokation, dazu geeignet, die russische Macht vor die Wahl zu stellen: die Truppen zu schicken und damit die Positionen in der globalen Opposition zu den USA ernsthaft zu schwächen oder auf die Unterstützung der Aufständischen zu verzichten und dafür das Ansehen innerhalb des eigenen Landes zu untergraben.

3. Ich denke nicht, dass Strelkow verstand, was er tat, ich bin überzeugt, dass er blindlings handelte. Wobei auch die Amerikaner ihn nicht verwendeten (obwohl seine Tätigkeit vorteilhaft für die USA war). Er handelte für jenen Teil des patriotischen russischen Publikums, der die Innen- und Außenpolitik des Landes zu radikalisieren wünscht und ist bereit, sich auf die Spaltung der russischen Gesellschaft (bei Aufhebung der Politik des nationalen Konsenses) unter den Bedingungen der direkten militärischen Opposition zu den USA einzulassen. Solche Politik heißt abenteuerlich, und Putin – der ist kein Abenteuerer.

Im Allgemeinen, von meinem Standpunkt, ist Strelkow äußerst ambitioniert, aber ein ziemlich begrenzter Mensch, den man leicht im Dunklen lassen kann. Er hat märchenhaftes Glück gehabt, weil er in Jugoslawien oder Pridnestrowje nicht umgekommen ist, es gelang ihm, aus Slowjansk zu entkommen und er ist immer noch auf freiem Fuß. Er ist ein als aktiv geltender Politiker. Gerade ein Politiker, wenn auch bisher ohne Status.

Und damit ist das Thema Strelkow ein für allemal erledigt. Wie ich bereits sagte ist er für die weitere Bearbeitung des erklärten Problems nicht nötig. Und das Thema ist wirklich groß und interessant.

Invictus maneo!

Rostislaw Ischtschenko, Kommentator MIA «Russland heute»

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Ein Gedanke zu „«Die Surkowsche Propaganda»

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