Der Kaukasus ohne Russland: gestern heute und morgen

Caucasus25.06.2015 Übersetzt aus dem russischen: Thomas

Der Kaukasus ist für Russland der Puffer, der sie vom instabilen Nahen Osten schützt, und Moskau ist objektiv daran interessiert, dass dieser Puffer von sich aus eine Arena des Blühens ist und nicht eine Zone permanenter Konflikte.

Vor zwei Jahre haben die USA die Situation in Syrien gegen Russland verloren. Moskau zu demütigen hat sich da nicht ergeben, im Gegenteil, die Positionen Russlands im Nahem Osten sind erstarkt und das gerade auf Kosten von den Positionen der USA.

Aber den «ruhmreichen Leuten» aus dem Statedepartament und der CIA, wenn sie auch sehr betrübt waren, hat da noch lange nicht gereicht. Auf dem syrischen Platz haben sie aufgehört, mit dem Bürgerkrieg zu zündeln, das wurde von den internationalen Terroristen von IS, al-Qaida und Daesh fort geführt, und ihre Aktivität haben auf den ukrainischen Platz verlegt, dabei hoffend, Russland die entscheidende Niederlage an den Ufern des Dneprs beizubringen.

Und es wurde wieder nichts. Ungeachtet der ganzen Komplexität und der Tragik des Geschehens, konnte Moskau die Situation allmählich zu seinem Vorteil wandeln. Die in der Ukraine stecken gebliebenen Vereinigten Staaten haben darüber nachgedacht, wie sie unauffällig vom Trinken der Säfte des Kiewer Regimes loskommen. Bedroht von ihrer Maßlosigkeit und Gier, ist die Ukraine dabei für die USA zu einem neuen Vietnam zu werden (nach den Umfängen der ausgegebenen Ressourcen und dem Niveau der Schädigung der Autorität ist das ohne Sinn).

Inzwischen verzagen die Ringer für die «Demokratie und die Energieträger“ nicht und suchen einen neuen Platz, auf dem man Russland ganz sicher zurückdrängen kann, bis das Feuer des Bürgerkrieges in der Ukraine, wie in Syrien auch, stark genug geworden ist, um die Beweisstücke zu zerstören, die von der Teilnahme der USA an den Verbrechen des Regimes zeugen. Eben beginnt der Kaukasus gerade so zu glimmen.

Im Prinzip kamen die USA gerade in dieser Region auf die Idee mit den farbigen Revolutionen im postsowjetischen Raum. Der Umsturz in Georgien ist gelungen. In Armenien und Aserbaidschan sind die Versuche bisher misslungen.

Der Kaukasus ist eine komplizierte Region, mit einer großen Menge gegenseitiger historischer Kränkungen, mit Konfessionswidersprüchen, mit territorialen Ansprüchen und mit persönlichen Dramen. Man braucht, um ein Land zu entzünden, in ihm nur die Radikalen an die Macht zu bringen und eine Welle der Instabilität wird die Region vollständig bedecken, ja wird dann auch versuchen, über die russischen Autonomien Nordkaukasiens ( auch Ciskaukasien genannt) ausgeschüttet zu werden.

Der erste Schlag wurde auf das schwächste (nach der Wirtschaft) Glied – Armenien – ausgeführt, dass dazu noch ein Mitglied der OVKS (Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit) und der EWU (Eurasische Wirtschaftsunion) ist, so werden die größten russischen Integrationsprojekte in Frage gestellt. Ob Russland die Gefährlichkeit des Angriff auf die Jerewaner Macht tragen kann?

Der Sturz der herrschenden Regierung wird in Jerewan die radikalen Kräfte an die Macht bringen, wird die Fortsetzung der Existenz der russischen Basis in Gyumri (130000 Einwohner, ehemals Alexandropol, dann Leninakan. In der Stadt hat ein russ. Soldat aus der Garnison eine armenische Familie getötet. Dann fand man einen erstochenen russ. Soldaten.) in Frage stellen und zusätzlich wird sich die sozial-politische Situation in Armenien verschlimmern, in Frage gestellt wird der Haupthandelspartner Russland und die gesamte handels-wirtschaftliche Zusammenarbeit. In der Ukraine entschied sich das Problem des heftigen Sinkens des Lebensstandards nach dem Februarumsturz 2014 mittels der Ablenkung der Aufmerksamkeit durch den Bürgerkrieg. In Armenien einen Bürgerkrieg auszulösen ist viel schwieriger – wir haben hier nicht jenen Maßstab, andere Traditionen, eine monoethnische Bevölkerung. Aber Armenien hat einen eingefrorenen Konflikt in Berg-Karabach, und ein äußerer Krieg ist für die Geschlossenheit des Volkes um die Macht sogar noch besser als ein innerer Konflikt.

Jetzt finden die Provokationen an der Linie der Berührung statt – eine alltägliche Sache. Die Seiten beschuldigen sich gegenseitig und die russische Militäranwesenheit gestattet dem sporadischen Geplänkel nicht, in einen großen Krieg überzugehen. Aber der potentielle Umsturz in Jerewan wird die Situation in einer sehr gründlichen Weise ändern.

Heute unterstützt Russland nicht nur einfach die guten Beziehungen zu beiden Seiten des Karabach-Konfliktes – mit Aserbaidschan wächst die Zusammenarbeit ungestüm, Armenien ist ein russischer Militärverbündeter schon seit vielen Jahren. Ein Umsturz unter proeuropäischen und antirussischen Losungen wird das militär-politische Gleichgewicht in einer gründlichen Weise verändern.

Die radikalen Kräfte in Aserbaidschan, die seit langem fordern, der Wiederherstellung der Souveränität Bakus über dem ganzen Staatsgebiet neu zu regeln, bekommen neue Argumente. Sie werden darauf bestehen, dass jetzt Russland im Falle einer Militärkonfrontation beiseite bleibt. Die radikalen Kräfte in Armenien werden darauf bestehen, wenn sie eine «europäische Wahl» gemacht haben, dass das Land die Unterstützung der «zivilisierten Welt» bekommt, wenn es um den Behalt der besetzten Territorien geht. Und sie haben natürlich ein gutes Argument – Armenien hat, wie auch früher, nichts zurückzugeben. Und Aserbaidschan, um die Territorien zurückzuerhalten, muß man angreifen. Folglich wird es ein leichtes sein, den Aggressor und Verletzer der Bedingungen des Waffenstillstands zu erklären.

Es ist klar, dass weder Europa noch die USA jemandem helfen werden, wenn der Konflikt im Kaukasus wieder ausbricht. Moskau kann nicht zu beiden Regierungen freundlich sein, das destabilisiert alles. Wenn Russland an der Zusammenarbeit mit zwei Ländern interessiert ist, und der Krieg beginnt, wird Moskau eine Wahl treffen müssen, oder sich selbst die Unfähigkeit attestieren, eine aktive Politik im Kaukasus durchzuführen. Welche Wahl sie auch treffen werden, es wird bedeuten, in der kaukasischen Richtung zusätzliche russische Ressourcen zu binden. Unter der Berücksichtigung der noch nicht gelösten Situation in der Ukraine, sowie der Größe des Einflusses der ISIS in einem halben tausend Kilometern von den Grenzen Aserbaidschans, kann sich die Situation tatsächlich augenblicklich in eine total ungesteuerte Militärkrise entwickeln.

Das heißt, wenn Russland vom Kaukasus abgedrängt wird dann wird es die Fähigkeit verlieren, in der Region die Kompromisswelt zu unterstützen, der ganze Raum zwischen den Grenzen der Türkei, Irans und Russlands ist geeignet, sich sehr schnell in ein großes Feuer zu verwandeln. Wobei das sowohl für die Türkei, als auch für den Iran und Russland schlecht sein wird.

Und wenn Moskau seit Jahrzehnten eine ergreifende Zurückhaltung betreffs der Nutzung der bewaffneten Kraft in den Zonen der bürgerlichen und Hybridkonflikte zeigte, verwendete die Türkei zum Beispiel im Verlauf des Bürgerkrieges in Syrien sowohl die Artillerie, als auch die Luftflotte, und sogar den Einmarsch der Landstreitkräfte auf das angrenzende Territorium für die utilitaristische Lösung der Aufgabe der Versorgung in der Zone der Sicherheit entlang der eigenen Grenze – sogar mehrfach. Diese Aufgabe war damit nicht entschieden, und nur die strenge Haltung Russlands konnte die Türkei vom vollwertigen Eintritt in den Krieg in Syrien abhalten.

Unter Berücksichtigung der traditionellen Widersprüche und der Konkurrenz zwischen der Türkei und dem Iran, sowie der Neigung der Führungen beider Länder zur Anwendung von Gewalt, kann die Situation im Kaukasus sehr schnell zu jener Zeit zurückkehren, als die Türkei und der Iran dort waren und Russland nicht. Bis die Padischahs in Istanbul und die Shas in Täbris und Schiras um die Kontrolle über die strategische Position im Kaukasus kämpften, litt die Bevölkerung der mohammedanischen Khanate und der christlichen Fürstentümer im gleichen Maß an den Gemetzeln und dem Ruin, in vollem Einvernehmen mit den Traditionen der Zeit von durch Armeen runtergekommenen Staaten.

Und schließlich ist für Russland nicht das Territorium der kaukasischen Staaten wichtig. Für Russland sind eher freundliche Regierungen blühende Bevölkerungen notwendig.

Der Kaukasus ist für Russland der Puffer, der sie von instabile Nahen Osten abschließt und Moskau ist ganz objektiv daran interessiert, dass dieser Puffer von sich aus eine Arena des Blühens ist und nicht eine Zone des ständigen Konfliktes.

Andererseits ist es für die Türkei und den Iran der rückwärtige Bezirk, woher die Gefahr kommen kann. Früher musste man diesen Bezirk vor der Verwurzelung des Opponenten darin sichern. Deshalb zerstörten die türkischen wie auch iranischen Armeen stets eifrig die lokale Bevölkerung – gibt es keine Bevölkerung dann hat man keinen Platz, auf den man sich mit den Truppen stützen kann. Die Armeen jener Periode existierten auf Kosten der Bevölkerung des Territoriums, auf dem sie sich befanden. Gibt es keine Bevölkerung – dann hat man niemanden, die Soldaten zu füttern. Das bedeutet, dass die feindliche Armee, wenn sie in diese Region kommt, so wird sie ganz schnell wieder zurückkehren.

Heute kann die Gefährdung der Sicherheit dieser Staaten im rückwärtigen Bezirk ISIS sein. Beginne die Destabilisierung im Kaukasus – und hunderte jetzt noch in Syrien und dem Irak aktive Kämpfer werden sich dort ganz schnell einfinden, um sich «das lokale Fleisch» schmecken zu lassen. Und genau so wie die Türken das kurdische Problem entschieden so entschieden auch die Iraner das Problem Südaserbaidschans. Man kann leicht vermuten, dass unter der besonderen Menschenliebe Teherans und Ankaras, die lokale Bevölkerung, unabhängig von der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit, zu leiden haben wird. Damit kann man sie als potentielle Basis der Partisanen vom ISIS betrachten.

Es ist klar, dass sogar in der am schlechtesten Situation Russland früher oder später (wobei wahrscheinlich eher früher als später) in den Kaukasus zurückkehren wird. Schon jetzt können Tausende friedlicher Bürger den Einmarsch Russlands in der Ukraine kaum erwarten. Einfach weil sie so etwas noch nicht erlebt haben. So dass es wohl besser ist, dass Russland nicht aus dem Kaukasus weggeht. Nicht mal vorübergehend und auf kurze Zeit.

Invictus maneo!

Rostislaw Ischtschenko, der Kommentator MIA «Russland heute» – für Sputnik-Азербайджан

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